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Mein Buch PART 5

"Wo ist der Kerl ? " kam kurz und knapp ihre Frage.

"Tod. Ich habe ihn getötet. "

"Schade. Das hätte ich jetzt auch zu gerne getan. Und nun ? "

Ich sah auf den Boden um vielleicht an diesem Anblick meinen Gefühlsausbruch etwas einzudämmen.

"Für mich bleibt nur eine Möglichkeit. Die Flucht von hier in der Hoffnung nicht gefunden zu werden. Wenn mich nur Einer in die Finger bekommt bin ich auch tot. "

"Warum das denn ? "

"Weil ich gekündigt habe. Ich habe dem Zeug den Rücken zugewandt."

"Warum. Ich denke das du so gefühllos und eiskalt bist. Was hat dich dann dazu gebracht es zu lassen ? "

In ihrem Ton bemerkte ich pure Verachtung. Ich konnte es verstehen da wegen mir ihre Tochter nicht mehr lebte. Wobei ich bezweifelte das sie sie jemals hätte gesehen. Wie ich es mitbekommen hatte waren es ja schon 4 Jahre die sie Jenny nicht gesehen hatte und aus eigener Kraft hätte sie es nie geschafft sich gegen ihren Mann durchzusetzen.

"Es war ihre Tochter die mir die Augen öffnete und es war ihr letzter Wunsch als sie in meinen Armen starb. "

Mit diesem Satz brach die Flut aus meinen Augen wieder aus. Ich hatte die Erinnerung an die Fahrt zum Krankenhaus. Vorm geistigen Auge sah ich ihre Hand fallen und ihren Körper wie er immer mehr nachgab. Das nächste Bild war die Trage an der ihr Arm runterhing und wie ein Pendel schwang.

Ohne noch ein Wort rauszubringen zog ich das Tagebuch aus der Tasche und gab es ihr in die Hand. Sie blätterte das Buch auf und ging auf die letzte Seite. Jetzt konnte sie die Tränen nicht mehr halten. In der einen Hand hielt sie das Buch und die Andere war schockiert auf ihrem Mund platziert. Die Tränen kamen Eine nach der Anderen. Ich weinte eh aber wenn ich es auch nicht getan hätte wäre jetzt der Zeitpunkt gewesen an dem es angefangen hätte. Sie las die Seite durch und ich blätterte ihr stumm die nächste auf in der ich meinen Text geschrieben hatte.

Auch hier änderte sich nicht viel an ihrer Haltung und es schien ihr auch irgendwie leid zu tun das sie so zu mir war. Ohne ein Wort zu sagen klappte sie es zu und sah mir mit weinenden Augen genau ins Gesicht. Ihr Mund öffnete und schloß sich. Mit aller Kraft versuchte sie die Trauer zu besiegen aber es war ein sehr harter Kampf dem sie sich dort stellen mußte. Langsam reichte sie mir das Buch zurück. Ich hielt es in der Hand und sah stumm darauf hinab.

"Entschuldige meine Wut aber die Trauer um sie ist zu stark so das ich mich nicht im Griff habe. Hast du sie wirklich so fest ins Herz geschlossen ? " entschuldigte sie sich weinend.

Wir schluchzten beide um die Wette.

"Ja. Jeden verdammten Tag und jede Nacht höre und sehe ich sie als ob sie real ist. Es ist einfach schrecklich. " gab ich als Antwort.

"Ich kenne es. Genau so ging es mir als sie vor vier Jahren weggelaufen ist. Alles lag daran das mein Mann ein Alkoholiker war und uns schlug. Er hat sie vergewaltigt schon seit sie klein war und ich konnte mich nicht wehren. Irgendwann fing sie an Drogen zu nehmen um den Schmerz zu ertragen den sie jeden Tag spüren mußte. Und eines Morgens war sie einfach weg. Ohne Brief und ohne ein Wort. Einfach weg. Lange Zeit machte ich mir auch Vorwürfe warum ich nicht mit ihr abgehauen bin. " ihre Fassung verlor sie während der Geschichte noch ein weiteres Mal.

Noch immer stand ich mit dem Buch in der Hand und spürte die Tränen kullern. Sie liefen mir in den Mundwinkel und ich schmeckte ihren salzigen Geschmack. Sie legte ihre Hand auf das Buch und schaute mich mit tränenunterlaufenen Augen an.

"Behalte es bei dir. Trage es immer bei dir und behalte meine Tochter in guter Erinnerung. Sie wacht nun von dort oben über dich. " sagte sie und deutete in Richtung Himmel.

"Ich glaube nicht an Gott. "

"Das spielt keine Rolle. Ich weiß das sie da ist. Sie hat dich heute zu mir geschickt um mich zu retten. Das kann kein Zufall sein das du mich aus meinem Leben geholt hast. Und es war sicher auch kein Zufall das Jenny dir begegnet ist und ihr euch gefunden habt. "

Ich hörte mit schwerem Herzen ihre Worte. Der Gedanke das sie mich von oben ansah brachte mich im Moment nur noch mehr zur Trauer. Sie sah mich und ich sie nicht. Eine Pause entstand und sie kramte in ihrer Hosentasche. Dann kam eine geschlossene Hand hervor und sie wollte mir etwas geben. Ich öffnete eine Hand und Jennys Mutter legte mir etwas hinein. Mit der anderen Hand schloß sie meine zu einer Faust so das ich selbst die Hand öffnen mußte um das zu sehen was sie mir gab.

Es war ein Ring an einer Kette. Ich drehte den Ring und entdeckte Jennys namen eingraviert an der Innenseite des Rings. Ich sah sie mit glasigen Augen an und legte den Kopf fragend zur Seite.

"Diesen Ring hab ich ihr zum fünfzehnten Geburtstag geschenkt. Ich möchte das du ihn trägst. Er war für mich immer ein Teil von ihr und nun möchte ich ihn dir geben um sie immer bei dir zu haben. Und noch was."

Sie griff sich an den Nacken und machte eine Kette vom Hals lose. Ich ging mit meinem Kopf näher an sie heran und sie legte mir eine Kette um. Ich schloß die Augen und mir lief ein Schauer über den Rücken als ihre kalten Hände meinen Nacken berührten. Abschließend gab sie mir einen freunschaftlich gemeinten Kuß auf die Stirn. Ich hatte die ganze Zeit über die Augen geschlossen und atmete langsam aus und ein. Als sie fertig war öffnete ich die Augen und sah verschwommen ein Kreuz an der Kette. Ich sah zu ihr auf. Sie schien eine innerliche Ruhe gefunden zu haben denn sie hatte ein etwas strahlenderes Gesicht.

"Auch wenn du nicht an Gott glaubst soll dich das Kreuz beschützen auf deinen Wegen. Du hast meiner Tochter ein schönes Leben geschenkt, auch wenn du nur kurz die Gelegenheit hattest aber sie wäre dir auf ewig treu und dankbar dafür gewesen. Ich weiß es da ich wie sie bin und ich dir auch aus tiefster Seele danke für das was du heute getan hast. " flüsterte sie.

Dann nahm sie mich fest in den Arm. Ich weinte sehr laut und ich versuchte die ganze Trauer mit einem Schlag rauszulassen. Es war aber so viel das ich sicher einen ganzen Tag brauchen würde bis ich fertig sein würde. Sie war der Trostspender den ich nie hatte. Sanft streichelte sie mir über sie Schulterblätter. Als ob ich ihr Sohn wäre tröstete sie mich.

"Ich glaub das ich nie wieder lieben kann. " sagte ich plötzlich.

Da war das alte Problem wieder einmal. Ich wollte es eher in Gedanken sagen. Sie löste die Umarmung und ließ beide Hände auf meinen Schultern liegen. Mit einem tiefen Blick sah sie in meine Augen und ich dachte wieder einmal das Jenny vor mir stand.

"Im Moment hat Jenny Schmerzen weil du leidest. Denke daran das sie dich sieht und mit dir fühlt. Sie wünscht sich dort oben nichts mehr als dich glücklich zu sehen. Jede vergossene Träne läßt sie leiden. Du sollst sie im Herzen tragen aber nicht aufhören dein Leben zu leben. Du wirst wieder lieben und sie wird es dich wissen lassen wenn sie glücklich ist. Versinke nicht in Trauer sondern blicke nach vorn. "

Ich versuchte mit einem tiefen Atemzug den Schmerz los zu werden aber es klappte nicht. Sie ließ die Hände sinken und trat einen Schritt zurück.

"Denk darüber nach. Du wirst es spüren wenn sie glücklich ist. Ich warte am Auto. " sagte sie und ging.

Nun stand ich wieder einmal allein da und mein Kopf war voll. Voll mit Gefühlen die ich nicht kontrollieren konnte. Ich weinte erneut und sah mit brennenden Augen zum Himmel wo sich eine dunkle Wolke vor die Sonne schob. Ein leichter Windstoß hauchte um mich und ich schloß die Augen. So stand ich eine ganze Weile da und der Wind frischte weiter auf.

Ich senkte den Kopf und sah auf den Ring in meiner Hand. Entschlossen legte ich die Kette um und küßte den Ring. Ich denke das mir das folgende so oder so keiner glaben wird aber ich habe es erlebt. Es scheint auch für ungläubige Menschen ab und zu Wunder zu geben.

Ich stand allein auf dem Feldweg und schloß nochmals die Augen den Kopf wieder in Richtung Himmel gerichtet.

"Oh Jenny. Ich vermisse dich. Gib mir Kraft es durchzuhalten." betete ich.

Dann passierte das was ich selbst nicht glaben würde wenn es mir jemand erzählen würde. Die Wolke ließ an einer Stelle die Sonne durch und sie fiel genau auf mich. Der Ring reflektierte die Strahlen und blendete mich als ich darau hinab sah. Es wurde in meinem Inneren plötzlich warm und es schien als ob es vom Ring ausging. Ich hatte das Gefühl als ob mich Jemand am Nacken berührte. Meine Tränen hörten auf zu laufen und ich stand nun mit gesenktem Kopf da. Plötzlich setzten die Stimmen wieder ein.

"Paß auf dich auf. " hörte ich sie sagen.

Diesmal antwortete ich und das nur weil dieses Gefühl da war das mich jemand am Nacken berührte. Es war aber niemand da.

"Das mache ich. Ich liebe dich mein Engel. Für immer. "

Nochmals war das Gefühl der Berührung da und zog sich wie ein Schauer meinen Rücken entlang. Ein sanfter Wind hauchte mir wie ein Kuss in mein Gesicht. Ich schloß die Augen als es passierte. Es fiel mir schwer mich von dem Ort zu lösen da ich irgendwie Jennys Anwesenheit spürte. Etwas erleichterter war ich schon aber es war als ob ich sie dort zurücklasse. Langsam erhob ich mich und sah ein letztes Mal zum Himmel hinauf. Ich hatte das Bedürfniss zu lächeln und tat es auch. Mit einem letzten Blick auf den Ring drehte ich mich in Richtung Auto um und ging.

Jennys Mutter saß auf der Motorhaube und lächelte mich an als ich auf sie zukam. Sie stand auf und ging zur Beifahrerseite. Mit einem Knopfdruck entriegelte ich die Türen und sie öffnete ihre. Ich stellte mich an die Fahrerseite und sah zu ihr rüber. Unsere Blicke trafen sich und sie lächelte mich erneut an. Im Gegensatz zu vorher sah sie glücklicher aus.

"Ich hab gerade... " fing ich an.

"Ich weiß. Hab es gespürt."

Mit großen Augen starrte ich sie an und bewegte mich nicht mehr. Mit der Hand am Griff stand ich da und sah ihr beim Einsteigen zu. Ein paar Sekunden dauerte es bis ich wieder regieren konnte. Ungläubig schüttelte ich den Kopf und nahm mir vor es dabei zu belassen. Langsam fuhr ich wieder los in Richtung Frauenhaus. Auf dem Feldweg war ich eher vorsichtig da das Auto sehr tief war und ich nicht wirklich etwas kaputt machen wollte.

Nach einiger Zeit kamen wir auch da an wo ich sie hinhaben wollte. In einer Nebenstraße lag ein riesiger Altbau. Hinter einem großen grauen Tor das irgendwie an ein Gefängniss erinnerte lag der sicherste Ort für Frauen die solche Sachen wie Jennys Mutter erlebt hatte hinter sich lassen wollten. Hier drin waren sie sicher vor den prügelnden Männern. Mit Kameras gesichert konnte niemand rein der ein Mann war. Ich kannte die Einrichtung auch nicht sonderlich gut, also konnte ich nichtmal sagen ob es auch sowas wie einen Wachschutz oder so etwas gab. Nur eins war mir wichtig. Das Jennys Mutter in Sicherheit war.

Als ich die Innenstadt erreichte hatte ich bereits einige Panikattacken. Mit leichtem Verfolgungswahn hatte ich zu kämpfen da es ein heißes Pflaster für einen Aussteiger war. Viele der Gesichter am Straßenrand kannte ich, obwohl ich bei einigen bezweifelte das sie mich erkennen würden. Aber das Risiko das sie es taten war mir zu groß um es auszutesten.

Ich hielt etwas abseits aber in der Nähe des Tors, damit sie die Taschen nicht so weit tragen muß. Wir stiegen aus und ich stellte die Taschen neben das Auto. Sie schrieb mir noch ihre Nummer auf einen Zettel und stellte sich dann vor mich hin.

"Die Nummer is ja toll aber ich hab noch kein Handy. " sagte ich zu ihr nachdem ich den Zettel angesehen hatte. "Muss mir ein neues holen weil ichs in dem See geworden habe. Aber ich schick dir dann meine Nummer zu. "

"Gut. Wann wird Jenny eigentlich beigesetzt ? "

"Dazu bin ich noch nicht gekommen aber ich werde mich kümmern das es so schnell wie möglich passiert. Wenn ich etwas weiß dann rufe ich dich an. Hole dich an dem Tag dann auch ab."

"Danke. Du hast heute wirklich eine gute Tat vollbracht. Ich wünsche dir das du deine Ziele erreichst und dich nicht aufhalten läßt."

Ich sah sie an und seltsamer Weise standen mir bei den Worten mal keine Tränen in den Augen. Sie reichte mir die Hand zum Abschied und nahm ihre Taschen. Langsam ging sie zum Tor und drehte sich davor nochmal zu mir um. Mein Blick war traurig und sie verdrehte die Augen. Mit einem gutmütigem Gesichtsausdruck kam sie zu mir zurück und legte mir die Hände auf die Schultern.

"Denk an meine Worte. Hör auf zu trauern. Sie wacht über dich. "

Dann gab sie mir noch einen Kuss auf die Stirn und ging wieder zurück. Stumm starrte ich ihr hinterher und wartete noch bis sich die schweren Tore hinter ihr schlossen. Jetzt war sie sicher. Und ich war zufrieden aber trotzdem traurig. Langsam stieg ich wieder ein.

Ich nahm Jennys Foto aus der Tasche und befestigte ein Schlüsselband daran. Dies hängte ich dann über den Rückspiegel. Einen kurzen Augenblick lang hielt ich es fest und streichelte mit dem Daumen darüber. Als ich mit meinen Gedanken wieder zurückkehrte startete ich den Motor und sah über die Schulter um keinen übern Haufen zu fahren. Mein Kopf drehte sich zurück und ich sah ein zweites Mal nach links weil mir etwas auffiel. Gegenüber stand ein alter Kombi mit zwei Typen am Steuer.

Einer machte die Geste das er mich umbringen will und ich sah ne ganze Weile hin. Ich realisierte im ersten Moment gar nicht das er ja eigentlich mich damit meinte. Ich fuhr schlagartig an und der Kombi drehte in einem Zug um mir hinterher zu kommen. Meine Panik hatte sich also nicht getäuscht. Ich war hier und es dauerte nicht lange bis mir jemand an dem Hintern klebt. Ich versuchte sie mit mehreren Seitenstraßen abzuhängen, aber der Verkehr ließ einen riskanten nicht zu. Ich mußte warten bis mehrere Spuren verfügbar waren um vielleicht in Schlangenlinien etwas zu erreichen.

Weiter versuchte ich es in den Gassen bis ich auf eine zweispurige Straße kam. Ich bog rechts ab und sah vor mir eine rote Ampel. Ich verriegelte die Türen und hielt an. Nun kam der nächste Moment an dem mich jeder normal denkende Mensch für verrückt erklärt, aber so viele Zufälle auf einem Haufen kann ich mir eigentlich nur mit meinem Schutzengel Jenny erklären. Konzentriert sah ich in den Rückspiegel aber in meinem Blickwinkel entdeckte ich einen Bekannten.

Neben mir stand Leon mit seinem Mustang. Er war gerade mit seinem Radio beschäftigt und sah mich nicht. Ich hupte und der erste Blick von ihm ging in Richtung Ampel. Dann sah er in den Rückspiegel und zuletzt in meine Richtung. Freundlich grinste er und hob die Hand. Seine Gestik änderte sich in fragend als er meinen Gesichtsausdruck sah.

Ich deutete in Richtung meiner Verfolger und schaffte es irgendwie ihm verständlich zu machen das ich gerade Ärger am Hals hatte. Er nickte und griff nach seinem Telefon. Ich hatte keinen Schimmer wen er gerade anrief aber er war sichtlich erfreut als er auflegte. Er zeigte einen Daumen hoch und deutete dann darauf immer geradeaus zu fahren. Das war in Richtung Autobahn. Toll dachte ich. Das wäre mir auch alleine eingefallen den Kombi dort loszuwerden. Die Ampel wurde grün und wir fuhren bis zur nächsten Roten. Ich hasste den Stadtverkehr, aber in diesem Moment war es ganz gut.

Leon hielt einen Zettel hoch auf dem er die Worte " RH AVUS " notiert hatte. Ich nickte und dann sah ich Leons Geste das er den Typen eine vors Maul geben will. Fragend schaute ich ihn an und machte ihm begreiflich das wir nur zu zweit waren. Er schüttelte den Kopf und zeigte vier Finger. Im Moment verstand ich erstmal nur Bahnhof. Aber er gab es erstmal auf mich weiter vom Verkehr abzuhalten. Nach ein paar weiteren Ampeln verbreiterte sich die Straße auf drei Spuren und der Kombi wollte mich überholen. Leider kamen auf der linken Spur bereits andere Autos und er konnte es nicht.

An mir zogen lautstark ein Golf, ein Civic und ein Astra vorbei. Auf den ersten Blick erkannte ich sie nicht. Der Golf wechselte vor Leon und der Civic fuhr vor mir. Einzig der Astra blieb links und zog mit den anderen Beiden gleich.

Aus dem Civic winkte mir eine Hand zu und jetzt klingelte es bei mir. Ich erkannte Sandra wieder und sah zu Leon der sich halb tot lachte. Dann deutete er mir das ich mal nach links schauen soll und zeigte nochmals seine vier Finger. Ich drehte den Kopf nach links und mit ernster Miene sah ich Dom in seinem Calibra neben mir fahren. Er blickte in den Rückspiegel und sah mich dann mit einem kurzem Nicken an. Sandra machte kurz die Warnblinkanlage zur Begrüßung an und ich blendete einmal kurz auf. In dieser Formation fuhren wir bis zur Autobahnauffahrt.

Ich ordnete mich mit vorherigem Blinken ein und Leon machte Platz. Auch Dom ließ sich zurückfallen das er hinter den Kombi kam. Es verlief alles nach Plan und wir fuhren in Richtung Rasthof. Ich fuhr nicht schnell, da ich diese Typen gerne mal gesprochen hätte. Und diese Vollidioten fielen auf die gestellte Falle rein.

Ich habs ja gesagt das dort nur angehende Profis zu finden waren. Nach kurzer Zeit tauchte die Abfahrt auf und auch hier blinkte ich rechtzeitig um sie zu locken. Wir fuhren geschlossen auf den Parkplatz ein. Meine drei Vordermänner parkten an der rechten Seite ein und ich blieb so stehen das genau hinter mir der Golf reinpaßte. Der Kombi blieb auch genau so stehen das der Plan den ich im Kopf hatte paßte. Im Rückspiegel schaute ich mir das ganze Spielchen an.

Der Beifahrer wollte aussteigen und Sandra fuhr zurück um ihm die Tür zu blockieren. Dann versuchte der Fahrer sein Glück aber mit einem lauten Quitschen kam Dom neben seiner Tür zum Stehen. Ich hörte den Kombi Gas geben und der Golf schnitt ihm die Flucht nach vorn ab. Ein lautes Gängeknirschen sagte viel über den Angstzustand des Fahrers aus. Aber mehr als dieses Knirschen kam nicht da das Geräusch von einem lauten aufheulenden Motor und qualmenden Reifen unterbrochen wurde.

Es war Leon der schräg von hinten an den Kombi schlitterte. Nun waren diese Typen eingekesselt. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen das ich meinen Wagen verließ. Langsam ging ich in die Richtung des Kombis und Dom stieg aus. Auch Leon verließ seinen Wagen und näherte sich von hinten. Sandra machte Platz und ich zog meine Waffe aus dem Halfter. Sie fuhr auf den Parkplatz und stieg aus. Dann knallte sie die Tür zu und lehnte sich mit verschränkten Armen ans Auto. Auch Dom hatte eine dabei, was mich eigentlich erstaunte. Aber in den harten Zeiten war es auch normal. Er hielt die Waffe auf den Fahrer und sah ihn die ganze Zeit an. Ich öffnete die Tür.

"Los raus. Aber langsam. " schrie ich den Beifahrer an und er gehorchte.

Langsam bewegte er sich nach draußen. Dom pfiff einmal kurz und schüttelte den Kopf in Richtung des Fahrers der seine Hand nach unten nehmen wollte. Schlagartig hatte er die Hand zurück am Lenkrad. Leon hatte es geschafft sich neben mich zu stellen. Er verschränkte die Arme und sah den Typen an als ob er ihm gleich an die Gurgel gehen wollte.

"Wo kommt ihr her ? " fragte ich forsch.

"Aus Berlin. "

Die Antwort paßte mir gar nicht. Und noch weniger paßte mir sein grinsen danach. Leon tippte mich von der Seite an.

"Sag mal haben die irgendwas mit dem Abend zu tun ? "

Seine Augen hatten einen wütenden Blick und er schien ein Ventil zu suchen um alles Angestaute mal rauszulassen.

"Keine Ahnung. Der Typ redet ja nich mit mir. Also würd ich jetzt mal vermuten das es so is. " antwortete ich ohne einen Blick von dem Kerl zu lassen.

Der Typ versuchte einen harten Kerl darzustellen und lehnte sich mit einem Achselzucken ans Auto. Leon stellte sich vor mich hin und sah mich an. Gleich war es soweit dachte ich.

"Ich denke mal das du recht hast. " sagte er leise zu mir und sein Blick erinnerte mich leicht an einen Irren.

Dann drehte er sich schnell um und schlug dem Typen die Faust mitten ins Gesicht. Plötzlich fiel ein Schuß und Dom brüllte nur "Hey".

Das reichte dem Typen im Auto die Hand wieder still zu halten. Ich sah zu Leon zurück. Der vorher noch so coole Junge hielt sich die Hand an die Nase.

"Hast du was damit zu tun das seine Freundin frauf geganen ist ? "

Als Leon diesen Satz aussprach sah ich im Blickwinkel das Sandra geschockt war. Sie hatte vielleicht von der Nacht erfahren aber dachte vielleicht nich daran das es um mich ging. Mit der Hand vorm offenen Mund starrte sie mich an. Ich hatte aber nicht das Bedürfniss darauf zu reagieren. Vorher wollte ich Antworten hören. Der Typ brachte kein Wort heraus.

Leon warf ihn zu Boden, da er sein Schweigen als eine Zustimmung deutete. Dann drehte er vollkommen durch. In gebückter Haltung stand er über ihm und gab ihm einen Schlag nach dem Anderen.

"Du weißt nicht was ich an dem Abend durch hab. " schrie er und mit jedem Wort prasselte seine Faust auf den am Boden liegenden nieder.

Als er sich nicht mehr rührte ließ er dann von ihm ab.

"Noch jemand ? " fragte er abschließend.

Ich mußte mir das Lachen verkneifen. Er hatte gewisse Ähnlichkeit mit einem tasmanischen Teufel, aber ich konnte seine Wut verstehen. Gerne hätte ich den Typen vors Maul gehauen aber Leon hatte es wohl nötiger. Er stand auf und gab ihm mit dem Wort "Wichser" noch einen Triff in die Rippen. Dann ging er zu seinem Auto und wartete dort. Laura und Sandra gingen zu ihm um ihn zu beruhigen. Laura legte den Arm um ihn. Sie schienen in der kurzen Zeit was angefangen zu haben. Aber das war ja nicht mein Problem. Ich hatte andere Absichten.

"Los raus da. " forderte ich den Fahrer auf.

Er gehorchte aufs Wort und stand zitternd vor mir.

"Is das auch son harter Kerl ? " fragte Leon aus dem Hintergrund und machte schonmal Lauras Arm von seiner Schulter.

Der Typ schaute ihn nervös an und zitterte mit der Lippe. Sah fast aus als ob er heulen wollte. Ich winkte Leon ab und er blieb für den Moment erstmal wo er war.

"Also entweder du redest oder ich frage ihn nochmal wie sein Abend gewesen is. "

"Bloß nicht. Ali. " stotterte er

"Was Ali ? "

"Er war bei dir. Ich hatte ja keine Ahnung was da oben los is. Er und Ali sind rauf und dann wieder runtergekommen. Ich hab nur das Auto gefahren. Ehrlich, Mann ich schwöre. "

"Auf deinen Schwur scheiß ich, Junkee. " antwortete ich ihm.

Er schluckte. Der Kerl machte sich fast in die Hosen aber er war kooperativ und das zählte im Augenblick. Ich hatte zumindest erstmal eine Antwort erhalten.

"Und wer hat euch auf mich angesetzt ? " hakte ich weiter nach.

"Mo. Er hat Alis Geschäfte übernommen weil ihn jemand umgelegt hat. Und er will deinen Kopf, da du ausgestiegen bist. "

"Eigentlich kann ich deine Fresse nicht mehr ertragen. Du wirst Mo etwas für mich ausrichten. "

Er brachte kein Wort heraus. Ich ging etwas näher an ihn heran.

"Mo soll mich in Ruhe lassen sonst ist er der nächste auf meiner Racheliste. Ich habe Ali umgelegt. " sagte ich ihm.

Er nickte und ich war mir ziemlich sicher ihn nicht mehr wiederzusehen. Ich drehte mich zu dem Typen am Boden um. Ich kochte innerlich. Dieser Wichser hat meine Jenny umgebracht. Dafür würde er leiden. Zwar wußte ich noch nicht wie aber es gab so viele Möglichkeiten. Mit Leons Hilfe setzten wir ihn auf und der Fahrer vom Golf kam mit einem langen Kabelbinder auf uns zu.

"Hier. Brauch ich oft bei der Kiste. " sagte er.

"Danke. "

Der Zweite sah mich an.

"Was hast du mit ihm vor ? " fragte er mich plötzlich.

"Das möchtest du nicht wirklich wissen. Eigentlich kannst du verschwinden. Aber deine Wumme die bleibt hier. "

Er tat was ich ihm sagte und legte ganz vorsichtig seine Waffe auf den Boden. Dann kroch er auf der Beifahrerseite ins Auto und startete den Motor. Der Golf fuhr wieder in die Lücke und machte ihm den Weg frei. Es ging sehr schnell das er sich verzog. Gefesselt saß sein Begleiter am Straßenrand. Noch immer war er benebelt von der Anzahl der Schläge die ihm Leon verpaßt hatte. Ich nutzte die Zeit um meine Helfer erstmal zu begrüßen.

Zuerst gab ich Sandra die Hand und sie sah mich traurig an. Dann umarmte sie mich fest.

"Das mit deiner Freundin tut mir leid. Hab ja nur mal wieder die Hälfte mitbekommen. " sagte sie.

Sie löste die Umarmung und stand dicht vor mir. Ein Windzug bließ mir ihr Deo ins Gesicht. Ich wußte was es bedeuten sollte. Da schien jemand zu entscheiden was gut für mich ist.

Ich ignorierte diese Geste aber und dachte mir nur "Gib mir etwas Zeit".

"Danke. Ich hab es mittlerweile gut unter Kontrolle. Ach so. Ich hab mich letztens nur mit meinem Spitznamen vorgestellt. Heiße eigentlich David."

"Nich so schlimm. "

Sie hatte wieder dieses seltsame verlegene Lächeln an sich. In diesem Moment beachtete ich es aber nicht sonderlich. Auch wenn von Oben etwas anderes erwünscht war. Wie Jennys Mutter schon sagte. Sie wollte mich glücklich sehen. Ich sah Leon an, der wieder runtergekommen war.

Er kam auf mich zu und er hatte Tränen in den Augen. Als ich das sah schoß auch mir das Wasser aus den Tränenkanälen. Wie einen alten Freund den er über mehrere Jahre nicht gesehen hatte nahm er mich in den Arm.

"Ich hab schon gedacht das du tot bist. Schön dich zu sehen. " wimmerte er leise in mein Ohr.

Dann ließ er mich los. Ich reichte Laura die Hand. Sie war eine Frau die nocht viele Worte verlor. So oft wie ich sie sah hatte sie sich kaum mal an Gesprächen beteiligt. Wenn dann nur sehr kurz und knapp. Aber mit Sandra konnte sie über Stunden reden.

Ich reichte Dom die Hand und selbst er hatte rötliche Augen aber er konnte sich beherrschen. Ich bedankte mich bei allen Anwesenden für die Hilfe und wurde dann von dem Klacken einer Sicherung unterbrochen. Ein Duft von verschmortem Kabel stieg auf und ein lautes Fluchen gesellte sich dazu. Es kam alles aus der Richtung des Golfs. Ich drehte meinen Blick in die Richtung.

"Chris. Nich schon wieder. " rief Dom in die Richtung.

Dann sah ich die Motorhaube aufgehen und er stieg aus. Der Fahrer ging vor und machte die Haube auf. Mit zielsicherem Blick und geübten Handgriffen machte er ein paar Sicherungen raus und überbrückte alles mit Draht. So wie ich das sah kannte er sich recht gut aus. Dom erklärte mir das das Auto was Chris fuhr eine Schande ist. Erstens war es ein Golf und das Ding hatte nur Macken.

"Wird Zeit für nen Autowechsel oder ne gute Werkstatt. " sagte ich zu Chris.

Er blickte kurz auf und grinste mich an.

"Ich kann alle Autos hier reparieren, außer mein eigenes Geschoß "

"Nenn das nich Geschoß. " sagte Leon.

Dann erzählte mir Chris das er heute eigentlich ein Handy loswerden wollte und sich dann aufm Schrottplatz nen Nissan Skyline holen wollte. Ihm fehlen noch zweihundert zum Auto. Den Rest hat er sich zusammengespart. Als ich das mit dem Handy hörte wurde ich an das erinnert was ich eigentlich noch machen wollte. Aber ich hatte noch mehr vor und der Junge war mir irgendwie sympatisch.

 "Also dein Handy nehm ich schonmal. Brauche ein Neues. Geb dir dreihundert dafür. "

Erstaunt sah er mich an und glaubte das ich scherze. Diesen Gedanken nahm ich ihm indem ich ihm das Geld zeigte. Sandra war irgendwie etwas überwältigt von meinem Angebot. Ich sah ihren Blick aber dachte mir nur meinen Teil dazu. Das war aber noch nicht Alles was ich wollte.

"Und kannst du dir mal kurz den BMW anschauen ? "

"Klar doch. Was is mit ihm "

"Dreh mal ne Runde. " sagte ich und hielt ihm den Schlüssel hin.

Er nahm ihn und ging rüber. Erstmal drehte er eine Runde ums Auto und staunte was alles drin und dran war.

"Nich schlecht. Hast sogar NOS drin." Sandra legte ein schiefes Grinsen auf und ich wußte warum.

"Ja ich war so geschockt. " sagte ich bevor sie fragen konnte.

Erschrocken sah sie mich an und ich erwiederte lächelnd ihren Blick. Dann stieg Chris ein und machte eine Probefahrt mit dem Auto. Sandra kam zu mir und stellte sich neben mich. Sie sah mich eine ganze Weile an und es war ihr irgendwie unangenehm.

"Was is denn los ? " fragte ich sie.

Wieder sah sie mich erschrocken an als ob sie sich fragte woher ich wußte das sie mich etwas fragen wollte aber sich nicht traute.

"Mich würde irgendwie interessieren wer dir sowas antut. " überwand sie die Barriere.

"Das is ne verdammt lange Geschichte. Das könnten wir vielleicht bei einem Abendessen klären."

"Ja das wäre nicht verkehrt. Wenn das jetz ne Einladung sein sollte dann wäre ich nicht abgeneigt. " sagte sie.

Im Schein der Laterne erkannte ich das sie sehr rot wurde und ich fand es noch genauso niedlich wie das erste Mal als ich sie traf. Wir verabredeten und fürs Wochenende und dann warteten wir auf Chris.

Nach einigen Minuten kam er dann auch zurück und stellte das Auto an der selben Stelle ab. Zufrieden stieg er aus und kam zu mir.

"Keine Ahnung was du hast. Läuft doch spitze."

"Gut das du zufrieden bist. Ich will dir ein Angebot machen. "

Er sah mich erstaunt an und sein Mund stand offen.

"Chris, Mund zu ! " rief Sandra hinter mir.

Er tat es auch nach Aufforderung.

"Wenn du mir hilfst den Skyline aufzubauen kriegst du die Kiste so wie sie da steht. Nur in einer anderen Farbe. Hab da jemanden der sowas macht. Also was is ? "

"Das is dein Ernst ? " fragte er.

"Wenn ich scherze siehts anders aus. "

Er war hin und weg. Mit einem Handschlag besiegelten wir den Deal. Ich sah in die Runde und entdeckte nur erstaunte Gesichter. Gleichgültig zuckte ich die Schultern. Ein ausgedehntes Schweigen machte sich breit.

"Tanke ? " fragte ich schließlich.

Irgendwie waren alle sprachlos und nickten nur. Der einzigste der sich dann doch noch zu Wort meldete war Leon.

"Jo. Ich brauch jetz n Bier. "

Langsam setzten wir uns in Bewegung um in die Autos zu kommen. Ich stand schon mit einem Bein drin als Leon nach mir rief.

"Was is mit dem ? " schrie er und deutete in Richtung des Gefesselten.

Ich verdrehte die Augen und machte mich zum gleichen Zeitpunkt wie Leon auf den Weg zu ihm. Er stand dann neben mir und sah mich an.

"Der is ja auch noch da. Hätt ich fast vergessen. " sagte ich.

Dann hoben wir ihn hoch. Er war schon einigermaßen aufnahmefähig aber sah schon sehr mitgenommen aus. Also wenn Leon etwas hatte dann war es Kraft. Er hielt ihn von hinten fest und ich stellte mich vor ihn.

"Für das was ihr mit Jenny gemacht habt sollte ich dich killen, aber ich bin nicht wie ihr. " sagte ich laut aber langsam damit er etwas verstand.

Dann gab ich ihm einen heftigen Hieb in den Magen und Leon ließ ihn in den Dreck fallen. Im Weggehen gab er ihm noch einen Tritt in die Rippe und sagte etwas das sich wie Drecksau anhörte. Ich konnte es aber nicht genau sagen und wollte nicht nachfragen. Als das erledigt war fuhren wir gemeinsam los.

Die Autobahn war leer und es war erstaunlich warm in dieser Nacht. Sandra und ich führten die Gruppe an. Sie hatte genau wie ich die Fenster unten und ich sah ein paar Mal rüber. Sie war ein hübsches Mädchen das dazu noch einiges drauf hatte. Mein Blick fiel auf Jennys Foto, das im Wind hin und her wackelte.

"Meinst du wirklich ? " fragte ich das Bild.

Eine Antwort bekam ich nicht aber Sandra hupte und schaltete plötzlich ihre Beleuchtung ein. Sie grinste frech rüber und kam ein Stück weiter rüber gefahren. Ich verstand was sie wollte und machte mein Licht auch an. Plötzlich zog Leon auf dem Standstreifen vorbei und wechselte immer über beide Spuren. Mit angeschalteter Warnblinkanlage wollte er uns ein Startzeichen geben. Ich schaltete einen Gang runter und ließ das Auto etwas langsamer werden. Im vierten Gang fuhr ich weiter und Leon gab die Spuren frei.

Sofort hatte ich den dritten Gang drin und gab Vollgas. Sandra zog mit dem Civic noch auf gleicher Linie. Fast zeitgleich schalteten wir einen Gang höher. Sie war hartnäckig. Auch zur selben Zeit zündete sie ihr NOS. Wieder einmal drückte mich die Wucht in den Sitz und ich schaffte es einfach nicht den Civic stehen zu lassen.

Ein greller roter Blitz von einem Metallgestell über der Autobahn beendete das Rennen. Wir hatten ein Unentschieden. Das hab ich noch nie erlebt das jemand zu zweit übers Ziel fuhr. Sie lachte. Ich konnte es nicht hören aber sehen. Auch ich lachte. Das war in den letzten Tagen eine Seltenheit aber sie schaffte es mich dazu zu bringen. Ich dachte in dem Moment an gar nichts. Ich hatte nur die Straße vor mir im Kopf.

Nach der Freude dachte ich an Jenny und daran was ihre Mutter sagte. Sie wird es mich spüren lassen wenn sie glücklich ist. Ich glaubte jedenfalls das ich es in den letzten Minuten war. Im Rückspiegel sah ich die Umrisse des Golfs auf dem Standstreifen anhalten. Sandra merkte es auch und machte die Geste eines Fotos. Verstanden hatte ich es nicht aber ich konnte mir denken das er den Film aus dem Blitzer holte. Wir fuhren an die altbekannte Tankstelle. Sauber parkten alle ein.

Nur Leon blieb an der Zapfsäule stehen.

"Der frißt mich nochmal auf. " sagte er als er ausstieg.

Ich fing an zu lachen und ging in die Tanke. Die Mädels warteten draussen und nachdem Leon die Pistole eingehängt hatte kam er zusammen mit Dom hinterher. Ich war so nett und zahlte seine Tankrechnung mit.

"Du hättest mir den BMW geben sollen. " sagte er.

Ich grinste ihn an. Er wußte was ich sagen wollte aber ich tat es nicht. Dom brachte das Bier an die Kasse. Die Kassiererin wollte grade abrechnen aber sie blieb in ihrer Bewegung stehen.

"Was los ? Eingepennt ? " fragte Dom frech.

"Nein. Sag mal. Wie lange kennst du mich schon ? "

"Lange genug um dich zum essen einzuladen. " mischte sich Leon ein.

Sie lächelte ihn schief an.

"Jetz mal im Ernst. Macht ihr das mal ? Hab keine Lust die Bullen wieder anzurufen. " sagte sie.

Dann deutete sie nach draußen wo ein Typ grade die Mädels ansprach. Ich kannte den Typen. Es war ein Junkee und er versuchte sicher mal wieder irgendwie Geld zu bekommen. Ich setzte mich in Bewegung weil er nichmal aufgab als beide Frauen sich ins Auto setzten. Er lag schon fast auf der Scheibe.

"Also jetz braucht du nur nen Krankenwagen zu rufen wenn sich Rambo drum kümmern geht. "

Das war wieder mal Doms dummer Spruch und ich hob den Mittelfinger in seine Richtung und lachte laut. Die Tür öffnete sich und ich ging zielstrebig auf ihn zu.

Kurz vorm Auto brachte ich lautstark das Wort "Hey" raus, was ihn nicht ganz so sehr beeindruckte wie ich dachte.

"Was willst du hier ? " fragte ich ihn.

"Verpiss dich. " war seine Antwort darauf.

Er sah mich nichtmal an dabei. Ohne ein weiteres Wort ging ich noch näher ran. Als ich vor ihm stand versuchte ich es erneut sein Gehör zu bekommen.

"Alter du solltest mich lieber für voll nehmen ! " sagte ich lauter.

"Mann fick dich doch du Vogel."

Das reichte wirklich aus. Ich zog ihn so kräftig vom Auto weg das er sie Bodenhaftung verlor und in Richtung Zapfsäulen flog.

"Und jetz verzieh dich. " sagte ich und machte wieder einmal einen Fehler.

Ich drehte ihm den Rücken zu und wollte zu den Autos zurück gehen. Zeitgleich mit einem Klicken sah ich Sandra aus dem Auto springen.

"David. Paß auf ! " schrie sie.

Ich drehte mich zu ihm zurück aber es war nicht möglich auszuweichen. Ein heftiger brennender Schmerz durchzuckte meinen Körper als seine Klinge in meine Brust stach. Den Rest bekam ich nur in Zeitlupe mit.

Verschwommen sah ich das Leon wie ein Sturm auf den Typen zurannte und ihm ziemlich kräftig auf den Kiefer hämmerte. Mein Gedanke war das jetzt jemand einen Kiefer weniger hatte. Dann wurde es langsam dunkel. Die Schmerzen im Brustkorb nahmen mir das Bewußtsein und ich spürte nur das ich fallen würde. Ich fiel in Sandras Arme und sah verwischt ihr Gesicht über mir.

Sie schien immer wieder das Wort "Nein" zu sagen. Kurz hatte ich etwas salziges in meinem Mundwinkel und bekam benebelt mit das es eine Träne von ihr war.

"Das wird schon wieder." brachte ich schwach über die Lippen.

Dann wurde es dunkel um mich herum. Das letzte was ich noch mitbekam war das vertraute Geräusch eines Ford Mustang der mit hohen Drehzahlen um Kurven fuhr.

Ich haßte das Geräusch da es eine schlechte Erinnerung hervorrief.

6.10.09 10:00
 


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