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Mein Buch PART 3

Viele der Leute waren schon ungeduldig da sie nichts mehr zu verkaufen hatten aber das juckte mich nicht wirklich. Ich hatte nun mal auch Streß wenn ich diese Idioten belieferte und jetzt noch mehr da mir mein Auto fehlte.

Zwischendurch erfuhr ich das mein BMW in 2 Tagen wieder flott sein sollte und ich bestellte dann gleich die Lachgaseinspritzung da mich der Civic so überzeugt hatte. Bis auf das es einen Tag länger dauern würde war es in Ordnung. Bis zum letzten arbeitete ich die Liste in satten vier Stunden ab.

Als alles erledigt war setzte ich mich in die nächste U-Bahn um mir irgendwie die Zeit zu vertreiben. Es dauerte auch nicht lange bis ich einschlief. Nichtmal hier hatte man seine Ruhe. Ich hatte die Augen noch geschlossen als eine Stimme mich weckte.

"Junger Mann hätten sie vielleicht Interesse an der neuen Ausgabe der Zeitschrift Straßenfeger ? Oder eine kleine Spende, etwas Essen oder Trinken ? " sagte sie zu mir.

Ich blinzelte als ich die grellen Lichter über mir sah und dann senkte ich den Kopf und sah ein junges Mädchen vor mir stehen. Sie war vielleicht in einer Spanne von 18 bis 20 Jahre zu sehen aber älter nicht. Ihr Gesicht sah sehr verbraucht aus mit tiefen Augenringen. Ihre Kleidung hingegen sah gar nicht danach aus als ob sie auf der Straße lebte aber es gab ja hier auch verdammt gute Kleiderkammern. Irgendwie schüttelte ich halb verschlafen den Kopf. Auch nur aus dem Grund das ich ihr weder Geld noch Drogen geben durfte. Sie drehte sich um und ging wieder.

An der nächsten Tür bleib sie stehen und wartete auf den nächsten Bahnhof. Ich wollte auch erstmal aussteigen um zu sehen ob man irgendwo etwas zu essen auftreiben kann. Das Geld wollte ich heute nicht zusammenholen. Das wollte ich dann eher am nächsten Tag machen. Für einen Tag reichte der Streß schon aus. Ich stellte mich an die nächste Tür und sah zu dem Mädchen rüber. Sie starrte mich an aber als ich zurücksah drehte sie schnell den Kopf nach vorn. Die Zeit genügte mir aber um ihre feuchten Augen zu sehen.

Innerlich verfluchte ich mich dafür das ich keine Frauen weinen sehen konnte. Mit dem Versuch das gerade gesehene zu vergessen sah ich auf den Boden und konnte es kaum erwarten dort rauszukommen. Die Bahn fuhr in den Bahnhof ein und die Türen öffneten sich. Das Mädchen ging auf die Bank zu und ich ging nach rechts in die Richtung der Treppe. Als ich schon fast vergessen hatte hörte ich ein lauten Knall und das Wort Scheiße wurde geflucht.

Ich drehte mich um und sah wie sich das Mädchen auf die Bank fallen ließ und mit den Händen vorm Gesicht schluchzte. Mit einem tiefen Seufzen setzte ich mich in Bewegung. Nicht eine Sekunde lang zögerte ich noch. Ich ging auf sie zu und setzte mich auf die Bank. Irgendwie merkte sie mich erkannte aber nicht das sie mich gerade schonmal gesehen hatte. Schnell wischte sie die Tränen weg und sah mich mit einem gequälten Lächeln an. Es war schlecht gespielt aber es schien wohl in der Vergangenheit geklappt zu haben.

"Haben sie.... " fing sie mit ihrer weinerlich klingenden Stimme an.

"Halt. " unterbrach ich sofort.

Sie sah mich überrascht an und ihr Mund stand offen. Noch jemand mit diesen Kieferproblem, dachte ich und hatte irgendwie das Bedürfniss laut zu lachen. Aber anders als bei Sandra brauchte ich ihr nicht zu sagen das der Mund offen stand. Sie bemerkte es von selbst und schloß ihn.

"Ich weiß warum du fragst und ich weiß was du brauchst. Also wenn du mir versprichst das wir danach etwas essen gehen dann werde ich dir was geben. " sagte ich langsam.

Sie sagte nichts und starrte mich ungläubig an. Als Beweis zog ich aus meiner Tasche zwei kleine Kugeln Heroin. Ich öffnete die Hand und sie blickte auf die Kugeln runter. Ihr Gesicht sah etwas nachdenklich aus. Sie biss sich auf die Unterlippe und ich sah das ihr Arm irgendwie zugreifen wollte. Dann stand sie plötzlich auf und wollte gehen. Ich habe keine Ahnung warum ich es tat aber ich wollte sie nicht gehen lassen.

"Hey komm. Wie lange willst du noch die Show mit der Zeitung abziehen ? Solange bis keiner mehr arbeitet ? Am Halleschen Tor ist seit zwei Stunden schon keiner mehr. " rief ich hinterher.

Sie drehte sich langsam zu mir um und verschränkte die Arme vor der Brust.

"Und woher willst du das so genau wissen ? Bist doch hier und nich dort, oder ? " fragte sie.

"Ich weiß es weil ich die Jungs da beliefert habe und sie mir gesagt haben wie lange die heute da sind. Und wenn ich auf die Uhr sehe ist es schon zwei Stunden her."

"Scheiße. Du bist ein Dealer, oder ?"

"Wo hätte ich das Zeug wohl sonst her ? Vom Rummel ? " stellte ich ihr die Gegenfrage. "Ich will nur das du danach etwas in den Magen bekommst. Dann kann ich dir was abgeben."

Eine Weile überlegte sie noch und reichte mir dann die Hand entgegen um mir aufzuhelfen.

"Also dann, gehen wir ? " sagte sie

"Danke aber so alt bin ich auch nicht das ich nich alleine hochkomme." sie grinste und nahm die Hand wieder runter.

Irgendwie hatte ich nichtmal mitbekommen wo ich überhaupt ausgestiegen bin, aber der Blick auf das Schild verriet das ich am Märkischen Museeum angekommen war. Hier gab es in der Nähe eine City-Toilette. Das war eigentlich der erste Ort wo man einen Junkee fand.

Vor der Toilette holte ich die Kugeln wieder aus der Tasche. Zu meiner Überraschung nahm sie die kleinere und steckte ihre letzten fünfzig Cent in den Schlitz. Ich wartete draußen da ich es nicht mit ansehen wollte wie sich jemand zerstört. Es dauert immer 20 Minuten bis die Türen sich wieder öffnen. Mir kam die Zeit wie fünf Minuten vor. Die große Tür schwang auf und sie stand noch immer da und versuchte es sich mittels eines kleinen Strohalms in die Nase zu ziehen.

"Na wenigstens spritzt du nich." sagte ich.

Dann nahm ich die Arme nach oben und baute mit meiner Jacke so einen Sichtschutz. Es wußte zwar jeder aber es mußte ja keiner sehen das sowas passierte. Es dauerte einen Moment bis sie es endlich geschafft hatte. Sie kam zu mir und legte ihre Hand auf meine Schulter.

"Danke. " flüsterte sie.

Da ich aus eigener Erfahrung die Wirkung kannte brachte ich sie zu der Bank die in der Nähe stand, denn ich hatte keine Lust das sie mir am Tisch einnickte. Ich setzte mich neben sie und spürte plötzlich ihren Kopf auf meinem Schoß.

Ich war überrascht da ich mich gerade umgesehen hatte. Mit angewinkelten Beinen ruhte sie sich so aus. Irgendwie war sie ein hübsches Mädchen trotz des Konsums von Drogen. Ich konnte nicht anders. Sanft streichelte ich ihr dichtes, schwarzes Haar. Es verging eine ganze Zeit die ich einfach nur da gesessen habe und ihren Kopf streichelte. In Gedanken versunken versuchte ich zu überlegen was ich da tat. Dann kam ein Moment den ich ab und zu heute noch habe. Es ist das Problem Gedanken nicht im Kopf zu lassen sondern auszusprechen.Manchmal schien da die Koordination zwischen Hirn und Mund gestört zu sein.

"Schade. So jung und spielt mit dem Leben." dachte ich laut.

"Nicht mehr lange. " antwortete sie mit geschlossenen Augen.

Sie hatte nicht geschlafen sondern einfach mit geschlossenen Augen meine Nähe genossen. Ich nahm an das sie schon viel zu lange alleine mit ihren Problemen kämpfen mußte und über jede Art von Zuneigung glücklich war. Nun drehte sie sich auf den Rücken und sah mir tief in die Augen.

"Ich reduziere schon seit einigen Wochen und nehme so schwer wie es ist nur noch zwei Kugeln am Tag. " sagte sie leise.

Den Rest ihres Gesichtes sah ich gar nicht mehr. Ihre Augen fesselten meine ganze Wahrnehmung. Ich war garnicht mehr anwesend. Aber doch konnte ich noch reden.

"Ich war auch mal abhängig. Ich sehe heute noch ein paar meiner Drücke. Ist schwer davon allein loszukommen. " antwortete ich.

Noch immer hatte ich ihre Augen anvisiert. Es war mir nicht möglich diesen Blick zu lösen. Selbst wenn eine Bombe hinter uns eingeschlagen wäre hätte ich ihre Augen noch angestarrt. Nach meinen Worten schluckte sie und ich sah das sich ihre Augen veränderten. Tränen sammelten sich und die erste von ihnen lief die Schläfe entlang.

"Wir wollten doch noch was essen gehen ? " fragte sie mich.

Ihre Stimme klang so traurig das ich aufpassen mußte das ich nicht auch anfing zu weinen. Mit mir stimmte in diesen Tagen etwas nicht denn ich entwickelte Gefühle die schon seit Jahren abgetötet waren. Sie versuchte mit aller Macht nicht zu weinen und es gelang ihr irgendwie. Langsam half ich ihr beim Aufstehen und stand dann selbst auf.

"Nun gut. Dann gehen wir mal."

Mein ganzer Kopf spielte verrückt. Ich war irgendwie nicht mehr ich selbst. Von dieser Seite hab ich mich noch nie erlebt. Das erste Mal war ich nicht schwanzgesteuert. Diesem Mädchen brachte ich Gefühle wie Mitleid entgegen.

Vielleicht lag es an der Träne die ihre Schläfe entlanglief, die mir sagen sollte "Hilfe ich meine es ernst". Vollkommenes Durcheinander herrschte in meinen Gefühlen. Ganz weit in meinem Hinterkopf wußte ich das wenn ich ihr helfe es mich den Kopf kosten würde. Aber einen gewissen Drang zum Risiko hatte ich schon oft gehabt.

Es kam der bittere Geschmack an meinen Entzug wieder auf. Ich dachte an mein vorheriges Leben und das Gefühl des Wissens das man niemanden hatte. Keiner der ein nettes Wort sagt oder einen in den Arm nimmt wenn man unten ist. Keiner der dir die Trauer nimmt, dir Trost spendet und das Gefühl von Sicherheit gibt. Ich wußte zu gut wie sie sich fühlte und ich hatte jetzt auch einen dicken Kloß im Hals.

Wir gingen zur U-Bahn zurück und fuhren 2 Stationen zum Alexanderplatz zurück. Auf dem Weg zum Bahnhof lief sie dicht neben mir und im Zug lehnte sie den Kopf an meine Schulter. Kein Wort brachten wir beide raus. Sie war damit beschäftigt irgendwie mit ihrem Rausch klarzukommen und ich war in dem Gedanken versunken was ich als Nächsten Schritt tun sollte. Wir erreichten nach ungefähr einer halben Stunde eine Pizzaria.

Auf dem Weg dahin hatte sie den Kopf noch immer an mich gelehnt und ich hatte meinen Arm um ihre Hüfte gelegt. Es war zwar nicht das beste Wetter aber wir setzten uns doch draußen hin. Ich zog ihren Stuhl zurück damit sie sich setzen konnte und nahm dann ihr gegenüber Platz. Ihr Gesicht wirkte irgendwie glücklicher als zuvor. Sie hatte wohl das Gefühl jemanden gefunden zu haben der ihr das geben konnte was sie brauchte. Keine Drogen sondern ein offenes Ohr.

Ein bisschen nachdenklich sah sie aber noch aus. Sie schien den nächsten Schritt ihrerseits zu überdenken. Ich zündete die Kerze an die auf dem Tisch zwischen uns stand. Im Schein der Kerze sah sie noch schöner als vorher aus. Sie hatte schulterlange schwarze Haare und braune Augen. Ihr Gesicht war leicht gebräunt und paßte perfekt zum gesamten Körper. Sie war eine der Frauen die warscheinlich ein Traum eines jeden Mannes darstellte.

Der Kellner kam mit zwei Karten auf uns zu. Er stellte sich neben uns an den Tisch.

"Guten Abend. Möchten sie etwas trinken ? " fragte er freundlich.

Das mußte er ja auch tun weil er unter anderem auch für seine Freundlichkeit bezahlt wurde.

"Also ich nehme ein Bier. Und du ?"

"Ich würde gerne ein Glas Rotwein trinken." sagte sie verlegen.

Ich nickte und der Kellner notierte es sich die Getränke. Dann gab er uns die Karte. Ich sah nicht in hinein sondern das Mädchen an, die eifrig die Karte anschaute.

"Wie heißt du eigentlich ? " wollte ich wissen.

Sie sah auf und machte eine störende Strähne aus dem Gesicht.

"Jenny."

Und dann senkte sie den Kopf wieder um die Karte weiter zu studieren.

"Jenny. " wiederholte ich nachdenklich "Schöner Name. Ich bin David"

Sie legte die Karte zur Seite und schaute mir wieder in die Augen. Nur wenige kannten meinen richtigen Namen. Irgendwie verdrehte sie mir richtig den Kopf. Dieser tiefe Blick in die Augen brachte mich noch um. Und wieder kam mein übliches Problem ans Tageslicht.

"Du bist wunderschön. " dachte ich schonwieder laut.

"Oh."

Sie löste ihren Blick und schaute nach unten. Schnell nahm sie die Karte wieder vor sich aber klappte sie nur auf. Fand ihre Schüchternheit ziemlich niedlich.

"Ich mein es ernst. Du solltest wirklich aufhören dieses Zeug zu nehmen. Sonst siehst du nicht mehr lange so schön wie jetzt aus. Du bist jung und schön. Dieses Zeug wird dich altern lassen. Und so alt bist du doch nich nicht, oder ? "

"Bin vor einer Woche zwanzig geworden. " antwortete sie und sah wieder zu mir auf.

"Siehst du, und wenn du nicht aufhörst siehst du in einem Jahr aus wie vierzig. Glaub mir. Ich habe in den letzten sechs Jahren eine Menge Elend gesehen. Viele Freunde sind daran zu Grunde gegangen. "

Ich machte eine Pause weil ich gerade an Jim und Kevin dachte. Nicht alle sind nur am Konsum der Droge verreckt sondern Jim weil er im Ring der Dealer war. Und auch Kevin war auf dem Weg dorthin wenn das was Mo sagte stimmte. Ich hatte Angst um ihn.

"Das ist schonmal ein Punkt der uns verbindet. Ich habe auch einige Freunde sterben sehen und das sogar in meinen Armen. Ich habe Angst. Kannst du das verstehen ? " sagte sie.

"Angst wovor ? " fragte ich obwohl ich zumindest eine Antwort kannte.

"Angst allein zu sein. Es ist die Panik davor niemand zu haben wenn es Probleme gibt. Ich hab doch keinen der sich um mich kümmert. "

Dies war genau die Antwort die ich erwartet hatte. Wieder hatten wir diesen durchdringenden Augenkontakt und ihr Blick versuchte einen Hilfeschrei auszudrücken. Die Tränen standen ihr schon wieder in den Augen und sie wirkte vollkommen verzweifelt. Aus ihrem rechten Auge rann die erste Träne und lief die Wange entlang. Sie fiel auf die Karte und die nächste entfoss ihrem linken Auge. Jetzt konnte sie das Weinen nicht unterdrücken. Zwar weinte sie nicht laut aber es kamen mehr und mehr Tränen aus ihren Augen geflossen.

Ich nahm ihre Hand in meine Beiden und schaute sie lange an. Es würde nicht besser sondern schlimmer.

"Jenny du weißt sicher was ich dir gerade sagen will ?"

Sie brachte kein Wort heraus und schluchzte ein paar Mal. Dann holte sie durch den Mund Luft und atmete durch ihn weiter. Als Antwort bekam ich nur ein Kopfschütteln.

Es war diese Entscheidung die mich im schlimmsten Fall den Kopf kostete, aber es war mir egal.

"Du bist nicht mehr allein. Ich werde das mit dir durchstehen. Als erstes wirst du dich heute Nacht mal richtig ausschlafen. Morgen werden wir dann weitersehen wie wir dir am Besten helfen können. Und heute möchte ich keine Tränen mehr aus deinen Augen sehen." sagte ich zu ihr.

Die ganze Zeit über hielt ich ihre Hand in meinen Beiden fest und schaute in ihre Augen die langsam aber sicher aufhörten zu weinen. Unser inniger Blickkontakt wurde durch ein Räuspern von links unterbrochen.

"Ihre Getränke. " machte sich der Kellner bemerkbar. "Und haben sie bereits gewählt ?"

"Bringen sie einfach zwei Pizza Salami und gut. " bekam er zur Antwort.

Er stellte die Getränke ab und nahm die Karten.

"Sehr wohl. Danke. " gab er von sich und verschwand.

Ich sah ihm kurz nach und verzog das Gesicht.

"Sehr wohl. " machte ich ihn nach. "Schleimiger Speichellecker"

Mit diesen Worten lächelte Jenny leicht und wischte sich ein paar mal über die Augen. Es fiel ihr sichtlich schwer sich wieder zu fangen aber sie hatte genug Kraft dazu. Nach einiger Zeit kam dann endlich das Essen und das faszinierende daran war das es sogar schmeckte.

Wir unterhielten uns noch lange und über alles Mögliche. Sie erzählte mir von ihren Zielen und Allem was ihr so einfiel. Es war das erste Mal das ich mich mit einem Mädchen länger als eine halbe Stunde unterhielt. Meist waren es nur kurze Gespräche bevor man das Schlafzimmer betrat. Bei ihr verschwendete ich aber keinen Gedanken daran das ich mich heute noch über sie hermachen will. Sie hatte es irgendwie nicht verdient wie ein Flittchen behandelt zu werden. Ich glaubte langsam daran das ich in den letzten Jahren zu viel auf den Putz gehauen habe.

Den schönen Abend unterbrach mal wieder meine Arbeit. Es war Mo der mich anrief.

"Was gibts ? "

"Kevin hat Scheiße gebaut. Roy hat ihn bei Ali gesehen. Er hat an ihn den Stoff verkauft. Ich will das du dich um ihn kümmerst und das ganze sofort. " schrie er in den Hörer.

"Wird erledigt."

Mit diesen Worten legte ich auf und sah Jenny an. Sie hatte sein Schreien gehört. Jetzt zog die die Augenbrauen hoch.

"Dein Boss ?"

"Ja leider. "

Ich trank mein drittes Bier aus und rief nach dem Kellner. Langsam zog ich das Geld aus der Tasche und sah dann nochmal zu Jenny. Ich konnte sie ja schlecht mitnehmen. Es gab da Dinge die sie nicht erleben mußte.

"Du mußt los nehm ich mal an. " fragte sie mich mit besorgter Miene.

Ich nickte nur kurz und sah den Kellner antraben. Ich zahlte die Rechnung mit saftigem Trinkgeld was ihn zu mehrfachem Bedanken anregte.

"Jenny ich kann dich aber nicht mitnehmen. Du brauchst das nicht zu sehen."

"Und wo soll ich auf dich warten ?"

Ich überlegte kurz und hatte dann auf seltsame Art und Weise Vertrauen zu ihr gefasst.

"Hier sind meine Schlüssel und meine Ardesse schrieb ich dir auf. Ich möchte das du so schnell wie du kannst dorthin fährst und auf mich wartest. "

Sie lächelte mich an und ich hätte nur zu gerne gewußt warum sie es tat. Mit meinem Kugelschreiber notierte ich meine Adresse und Telefonnummer auf der Rechnung und gab ihr den Zettel. Danach stand ich auf und reichte ihr die Hand.

"Aber hallo. Ich bin zwanzig keine neunzig. " grinste sie.

So beschissen wie es mir ging hat mich diese Retourkutsche zum Lachen gebracht. Gemeinsam gingen wir zur U-Bahn Station. Ich hatte den Arm um ihre Hüfte gelegt und sie drückte sich fest an mich. Auf dem Bahnsteig angelangt setzten wir uns auf die Bank und ich hielt ihre Hand. Sie drückte meine Hand sehr fest und sah mich besorgt von der Seite an. Ich bemerkte ihre Blicke und sah sie an.

"Paß bloß auf dich auf. Ich brauch dich noch." sagte sie leise. "Mach ich."

Nun biss sie sich wieder auf die Unterlippe und sammelte somit den Mut für den nächsten Satz.

"Du ich glaub das du es mir angetan hast. Ich mag dich."

Ich verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen.

"Ach wirklich ? "

Dann kam ihr Gesicht immer näher und kurz vor dem Kuß schloß sie die Augen. Es war das erste Mal nach sechs Jahren das ich bei einem Kuß etwas fühlte. Sie legte beide Arme um meinen Hals und ich genoss es. Ich nahm meine Hände und strich ihr von der Wange aus in Richtung Nacken die Haare zur Seite. Unseren ersten Kuß unterbrach ihre einfahrende Bahn. Plötzlich mußten wir uns voneinander lösen was mir eigentlich gar nicht paßte. Sie stand auf und lächelte mich an.

"Na überzeugt ?"

Ich nickte nur da ich im Moment überwältigt war. Langam erhob ich mich und stand vor ihr. Sie reichte mir ungefähr bis zur Nase. Ich gab ihr einen Kuß auf die Stirn und selbst das bewegte sie die Augen zu schließen. Die Signale der Tür ertönten und ich mußte sie schnell reinschicken bevor es zu spät wurde. Sie kam noch knapp hinein und blieb an der Tür stehen. Die U-Bahn fuhr an und unsere Blicke trennten sich erst als der Zug den Bahnhof komplett verlassen hatte. Nun kam auch meine Bahn. Ich hatte einen kürzeren Weg vor mir. Nur eine Station weiter mußte ich wieder einmal einen Scheißjob erledigen um zu überleben.

Ich kam an der Station an und stieg aus. Ich entdeckte Kevin am Ende der Treppe. Jemand war bei ihm und als er mich sah rannte er davon. Kevin blieb stehen und sah zu mir. Er lief rot an aber bleib wo er war. Ich tat so als hätte ich den anderen Typen nicht gemerkt. Langsam ging ich die Treppe rauf und bekam schon auf der letzten Stufe das Geld von ihm entgegen gestreckt.

"Hier. 265 und gewechselt." grinste er.

"Siehst du, geht doch. Es gibt da nur ein Problem was mir zu Ohren gekommen ist."

"Und welches ? " stellte er sich dumm.

"Jetzt tu nicht so. Was hast du mit Ali am laufen ?"

"Nichts Mann. Ich arbeite für Mo."

Wenn ich etwas hasste dann solche Aussagen. Er baute Scheiße am laufenden Band aber hatte nicht den Arsch in der Hose dazu zu stehen.

"Schlechter Lügner. " sagte ich.

Wie beim letzten Mal begann der Denkzettel mit einem kräftigen Hieb in die Magengrube. Die Finger wollte und konnte ich nicht schonwieder brechen. Ich richtete ihn wieder auf und dann passierte das was meinen Genickbruch in der Laufbahn war. Mit der rechten Faust schlug ich ihm so kräftig vor seinen Unterkiefer das er rücklinks die Treppe nach unten fiel. Er blieb am Fuße der Treppe bewegungslos liegen. Ungefähr ein viertel seines Körpers ragten über das Gleisbett. Ich drehte mich um und ging die nächste Treppe hinauf weil ich dachte das er nur so tat damit ich aufhörte. Im Gehen bemerkte ich unter mir eine starke Vibration und ein tiefes Grollen.

Einige Sekunden vergingen bis ich realisierte das eine Bahn aus dem Tunnel kam. Ich stand bereits am oberen Ende der zweiten Treppe und stürzte zurück. So schnell ich konnte rannte ich die Treppe runter und hörte das schrille Signalhorn und den letzten Versuch der Bahn abzubremsen. Ich kam um die Ecke und sah das ich zu langsam war. Mit einem letzten Hupen brach das gelbe Ungetüm aus dem Tunnel. Kevin war nicht bei Bewusstsein und die Bahn prallte gegen ihn. Ich stand auf der Treppe und sah seinen Körper wie er ein Stück mitgeschleift wurde und zerteilt wurde. Mit einem dumpfen Schlag spritzte das Blut auf. Die Front der U-Bahn sowie ein Teil der Seite waren völlig mit Blutflecken übersäht. Sofort drehte ich mich weg und würgte. Ich übergab mich auf der Treppe. Dann hörte ich Stimmen auf dem Bahnsteig und hysterisches Geschrei.

Egal wie aber ich mußte da raus. Ich rannte los in Richtung Alexanderplatz. So schnell ich konnte sprintete ich bis meine Kräfte versagten. Ich hatte einen verschwommenen Blick und die Übelkeit war noch nicht vorbei. Ich hielt mich an einer Straßenlaterne fest und mußte mich nochmal übergeben. Mein Sehvermögen ließ nach und ich bekam ein Rauschen im Ohr. Ich stand kurz vorm Zusammenbruch. Mit Tunnelblick kämpfte ich mich weiter in Richtung S-Bahn durch.

Ich hatte kein Zeitgefühl und kann somit auch nicht genau sagen wann ich es schaffte die Bahn zu erreichen. Ich saß wie abwesend darin und schaute aus dem Fenster. Mein Blick war in die Ferne gerichtet. Was hatte ich getan. Ich hatte jemanden getötet. Ich war wegen Drogen zum Mörder geworden. Trotz kühlem Wetter liefen mir sie Schweißperlen von der Stirn. Meine Augen brannten weil ich den Schweiß überall am Körper hatte. Er lief mir sogar in die Augen.

Einmal mußte ich am Ostkreuz umsteigen und sehnte mich nur danach zu Hause zu sein und keinen mehr sehen zu müssen. Ich war wie weggetreten auf dem Weg zu meiner Wohnung. Noch ein drittes Mal übergab ich mich als mir das Bild des spritzenden Blutes durch den Kopf sauste. Es kam schon nichts mehr raus. Vor der Eingangstür suchte ich meinen Schlüssel bis dann irgendwann die Erkenntniss kam das ich ihn ja dem Mädchen gegeben hatte. Ich klingelte und ihre Stimme erklang am anderen Ende. Schwach brachte ich meinen Namen heraus und sie betätigste den Türöffner. Ich schleppte mich die Treppe rauf und sie stand bereits dort.

"Oh mein Gott. " bekam ich nur halbwegs mit.

Sie stand vor mir und ich sah sie mit glasigem Blick an. Dann kam der Tunnel wieder und ich sackte zusammen. Das Rauschen in den Ohren wurde stärker und ich tauchte in Schwärze ein. Ich bekam noch einen Schlag am Kopf mit und war dann für eine Zeit bewusstlos. Von einem Ziehen an meinem Arm wurde ich wach und offnete vorsichtig die Augen. Grelles Licht war über mir und Jenny zog an meinem Arm. Sie fluchte das ich schwer bin.

Ich nahm an das sie probierte mich ins Schlafzimmer zu bringen. Laut stöhnte ich und sie unterließ ihre Versuche und half mir stattdessen Aufzustehen. Sie stützte mich mit viel Anstrengung ab und brachte mich ins Bett.

"Kevin....tot." stammelte ich vor mich hin.

Sie hatte es nicht verstanden, aber ich verstand sie obwohl sie das nicht gedacht hatte.

"Egal was passiert ist. Ich halte zu dir. Ich sage auch das du die ganze Nacht hier bei mir warst. " sagte sie leise.

Ich hätte sie dafür gerne geküsst aber ich war ja nichtmal in der Lage ihr zu sagen was passiert ist. Ich hatte einiges gesehen aber das war mir zu viel zum wegstecken. Ich hatte einen Jugendlichen auf dem Gewissen. Das letzte was ich noch mitbekam war das ich aufs Bett gelegt wurde. Danach war ich vollkommen weg. Nach ein paar Stunden wurde ich nochmal wach und merkte das sie es irgendwie geschafft hatte meine Klamotten auszuziehen. Nur in Boxershorts lag ich am Bett und war zugedeckt.

Jennys Kopf lag unterhalb meines Kinns auf dem Brustkorb. Vorsichtig zog ich den linken Arm unter ihr vor und legte ihn um sie. Sie regte sich etwas und kuschelte sich noch mehr an mich. Ich küßte ihr Haar und schlief dann wieder ein.

Gegen Mittag weckte mich mein Handy und es war schon wieder Mo der mich störte. Er teilte mir mit das ich mich erstmal von allen fernhalten soll weil die Bullen überall waren nach dem was gestern passiert war. Ich hätte ihm gerne meine Meinung gesagt was es doch für ein Arschloch ist, aber das wäre mein Todesurteil gewesen. So gab ich ihm Recht und sagte ihm das ich zu Hause bleiben werde. Nach dem Telefonat wachte Jenny auf und drehte sich zu mir um. Sie sah mich mit verschlafenen Augen an und fing an mir die Brust zu kraulen. Es war schön denn so einen Morgen hatte ich in den letzten sechs Jahren nicht mehr. Entweder ich hatte meine Gäste in der selben Nacht schon vor die Tür gesetzt oder spätestens früh.

"Morgen. War am Telefon los ? " wollte sie wissen.

"Nichts. Der Tag heute gehört uns. Du kannst die letzte Kugel da nehmen. Wirst ja sicher eine brauchen. " sagte ich.

"Noch nicht. Ist grad so schön hier."

Sie schmiegte sich an mich und gab mir einen Kuß auf den Wange. Dann legte sie den Kopf wieder auf meine Brust und blieb dort liegen. Sanft streichelte ich ihren Oberarm entlang. Nach einer Minute brach sie das Schweigen.

"Ich weiß ja nicht was gestern los war und ob du mich in deinem Zustand eigentlich verstanden hast. Für dich würd ich alle anlügen und sagen das du hier warst. Nur um dich zu schützen und um dich nicht zu verlieren. "

Gestern wollte ich sie dafür küssen. Das wußte ich noch und jetzt konnte ich es. Ich hatte keine Ahnung wie lange wir es taten aber es dauerte an. Sie ließ wieder locker und ich ging mit dem Kopf noch ein Stück hinterher. Mann die Frau machte mich richtig süchtig. Jetzt stützte sie sich links und rechts neben mir ab und sah mich an.

"Sag mal haben wir gestern oder nich ? " fragte ich sie.

"Ha ha. Wie denn. Du warst ja vollkommen weggetreten. "

"Nachholen ? " fragte ich sofort ohne lange zu zögern.

Ihre Antwort kam nicht mit Worten sondern damit das sie sich auf mich setzte und ihr Shirt auszog. Oh mein Gott sie sah aus wie ein Engel. In schwarzem BH hockte sie nun auf mir. Ihre langen Haare hingen bis zur Brust über der Schulter. Ihr Kopf kam nochmal auf mich zu und ihre Haare strichen über meine Brust. Was für ein Gefühl. Sonst war ich der ganz harte Bursche den nichts und niemand schocken konnte aber diese Frau machte mich weich.

Gefühlsmäßig war ich in diesem Moment weich wie Matsch. Wieder folgte ein langer Zungenkuß und diesmal ließ ich meine Hände langsam ihre Hüften entlang gleiten bis zu ihrem Hintern. Ich suchte mir dann wieder den Weg nach oben und tastete mich zu ihrem BH. Mit einem Schnappen öffnete er sich. Sie setzte sich nochmals aufrecht hin und ich sah sie an. Ich sah sie an und streichelte mich an ihren Brüsten entlang nach oben hin zu ihrem Hals und brachte sie vorsichtig dazu neben mir zu liegen wo ich damit bekann mich an ihrem Körper satt zu küssen....

Ich hatte zwar kein genaues Zeitgefühl aber es waren sicher weit über anderthalb Stunden die es dauerte. Die längste Zeit die ich mit einem Mädchen Sex hatte.

Es war sonst wie die Werbung für die Ford Werkstätten "Rein-Rauf-Runter-Raus". Als nächstes stand sie auf, weil jetzt der Wille nach den Drogen stärker wurde und sie es nicht mehr aushielt. Sie nahm die letzte Kugel und verschwand mit ihrer kleinen Handtasche im Bad. Es dauerte nicht allzulange bis sie wieder auftauchte und ungefähr die Hälfte auf meinen Nachttisch legte.

"Siehst du ? Nach unten dosieren nicht nach oben. " verkündete sie stolz.

Ich lächelte sie an und zeigte einen Daumen hoch. Es war für mich an der Zeit endlich mal aufzustehen und mich anzuziehen. Mehr oder weniger schwungvoll stand ich auf. Mein erster Gang war das Bad und ich schaute wie nach jedem Aufstehen erstmal in den Spiegel um etwas Selbstmitleid zu erhaschen wie schlecht ich wieder aussah.

Überrascht stellte ich fest das ich mal glücklich wirkte. Mein üblicher Ablauf begann mit Dusche, dann Kaffee und eine Kleinigkeit zum Frühstück. Jenny ruhte sich in der Zeit noch etwas aus und kam dann zu mir in die Küche. Auch sie nahm sich etwas zu essen und trank einen Kaffee.

Den Rest der uns an Zeit noch blieb verbrachten wir in einem langen Spaziergang im Park. Das ganze ging so lange bis wieder einmal mein Handy klingelte. Wer sollte es wohl sonst sein als Mo der mich mal wieder nervte. Ich sollte so schnell wie möglich zu ihm kommen. Als ich ihm sagte das ich kein Auto habe meinte er nur das ich ihn nicht warten lassen soll.

Natürlich war Jenny nicht erfreut darüber das ich nochmal weg mußte aber sie versprach mir auf mich zu warten mit einer Überraschung. Als ich wissen wollte was für eine Überraschung lächelte sie nur. Fest in meinem Arm brachte ich sie bis zu meiner Wohnung.

Heute weiß ich das Liebe blind macht und so merke ich zwar den schwarzen Van der ein Stück hinter meinem Aufgang stand aber ich registrierte weder eine Gefahr noch hatte ich dieses Gefühl das etwas nicht stimmte. Sie ging nach einem Abschiedskuss hinauf und ich überquerte die Straße und machte mich auf den Weg zu der Tankstelle an der Jannowitzbrücke. Es war ein ziemliches Ende das ich zurücklegen mußte. Kurz bevor ich in den U-Bahnhof gehen wollte überkam mich dann doch ein komisches Gefühl. Ich schob es auf das was ich gestern erlebt hatte und verdrängte den Gedanken.

Nach acht Stationen endete die Fahrt. Einmal um die Ecke und ich war schon bei ihm. Er sah düster auf seine Uhr und dann zu mir.

"Das mit Kevin ist in Ordnung. Er wollte ja nicht hören. " sagte er kalt.

Ich sah ihn an und ich dachte das ich ihn gleich töten würde. Dieses verfluchte Arschloch hatte nicht einen Funken Herz in sich.

"Ich will nichts darüber hören. Gib mir das Zeug. Ich will nach Hause"

"Werd nicht übermütig und paß auf was du sagst. " drohte er.

Er warf mir die Plastiktüte zu die Alles beinhaltete und ich schaute kurz hinein. Dann drehte ich mich ohne ihn weiter zu beachten um und ging nach in die Richtung vom Bahnhof. Meine Gedanken schwirrten wieder einmal durcheinander. Ich dachte an Kevins Tod und daran das es wirklich langsam an der Zeit war diesen ganzen Scheiß an den Nagel zu hängen. Mit schwerem Herzen kaufte ich eine Rose bei dem chinesischen Blumenhändler der wie so oft vor dem Bahnhof seine Blumen und nebenbei auch Zigaretten verkaufte.

Mit dieser einzelnen Rose machte ich mich auf den Weg in die Bahn. Zwei Stationen fuhr ich in die falsche Richtung und kam an dem Ort des gestrigen Abends an. Ich stieg aus und sah bereits von weitem eine Menge Fotos und Blumen an der Ecke stehen.

Ich kniete mich davor nieder und senkte den Kopf. Meine Augen brannten wie Feuer unter dem Druck der Tränen. Ich hatte keine Kraft es zu unterdrücken. Die Tränen liefen an meinem Gesicht entlang und fielen auf den Boden. In mir stieg soviel Wut auf das ich die Rose erstmal auf den Boden legte und im Kreis lief. Noch immer liefen die Augen wie ein Wasserfall. Ich wollte einfach nur schreien. Und das tat ich auch. Mit voller Wucht schlug ich gegen den Fahrkartenautomaten und schrie den ganzen Schmerz der Trauer aus meiner Seele. Nochmals schlug ich in den Blechkasten, der bereits eine Beule dank mir davongetragen hatte.

Der Schmerz in meiner Hand war geringer als der der in meiner Seele brannte. Ich hörte den Schrei noch lange nachhallen und es interessierte mich auch nicht das dort auf der Bank andere Menschen saßen und mich anstarrten. Ich sah auf den Betonboden der noch immer an einigen Stellen die Farbe seines Blutes trug. Wieder kochte es in mir. Ich mußte da wieder weg bevor ich durchdrehte. Vor lauter Tränen war mein Blick verschwommen und ich ging zu den Bildern zurück.

Vorsichtig steckte ich meine Rose mit in die eine Vase.

"Machs gut Kev. Hast es geschafft. " sagte ich leise.

Dann stand ich auf und spürte den Wind der ankommenden Bahn. Ich mußte so schnell wie möglich nach Hause und mit jemanden über das was ich getan hatte reden. Ich brauchte in diesem Moment Jenny fast mehr als sie mich brauchte. Ich entschied mich aber den Weg bis dorthin zu laufen, was ich im Nachhinein bereute denn ich wäre mit der Bahn vielleicht noch rechtzeitig da sein können. Ich lief lange und kam erst im Dunkeln an. Für die Haustür hatte ich den Schlüssel eingesteckt aber die Wohnungstür mußte sie mir öffnen. Als ich die Treppe hochkam dachte ich das ich in einem Kinofilm bin.

Vor meiner Tür lagen Holzsplitter und ich sah vorsichtig um die Ecke. Im inneren war es schon dunkel und ich betätigte den Lichtschalter. Nichts passierte. Mit dem Handy leuchtete ich mir den Weg zum Sicherungskasten. Ich machte mir einem Klicken den Hauptschalter an und alle Lichter in meiner Wohnung sprangen an. Ich bewegte meinen Fuß ein Stück und er klebte irgendwie. Ich sah hinunter und entdeckte eine Blutspur die in die Küche führte. Ich hob den Kopf und wäre vor Entsetzten fast umgekippt. Auf einem Stuhl der mitten in der Küche stand war Jenny gefesselt.

Sie hatte unzählige blaue Flecke, Schrammen und auf ihrer Stirn war das Wort Kevin mit einem Messer eingeritzt. Das Messer lag neben dem Stuhl. Mein Blick ging nach rechts wo eine kleine Schüssel mit Flüssigkeit und eine Packung Rattengift stand. Ich stürmte zu ihr und sah kurz vor ihr eine Spritze die in ihrem Arm steckte. Sie hatten genau in die Vene injeziert. Sie war schwach bei Bewußtsein und hatte starke Schmerzen. Die Spritze zog ich zuerst raus und versuchte sie so schnell wie möglich loszumachen.

"David. " flüsterte sie unter Anstrengung.

Dann erbrach sie irgendeine schäumige Masse. Sie hatte Krämpfe dabei und ich bekam einen Stich im Herzen als ich sie leiden sah. Mit zitternden Fingern versuchte ich das Seil loszumachen. Ich hatte meine Hände kaum unter Kontrolle. Sie stöhnte und versuchte mir irgendwas zu sagen.

"Es waren...."

"Jenny. Nein. Bleib wach." schrie ich.

Nach mehreren "Scheiße" Flüchen nahm ich das Messer und schnitt die Fesseln durch. Die Spritze steckte ich in die Tasche und versuchte Jenny so vorsichtig wie möglich aufzuhelfen. Sie war fast vor der Besinnungslosigkeit. Ihre Arme hingen schlaff und es war keinerlei Kraft in ihrem Körper. Mit allen Muskeln die ich hatte schaffte ich es seltsamerweise sie bis auf die Straße zu bringen. Nicht ein beschissenes Auto ließ sich blicken. Nur entfernt röhrten Motoren in der Seitenstraße. Dann bog ein großes Auto um die Ecke das aber in die falsche Richtung fuhr.

Ich schrie und fuchtelte wild mit dem Arm den ich frei hatte. Ich dachte das der Wagen weiter fährt aber es kam ein lautes Quitschen von Reifen zu mir und ich drehte mich um. Die Lichter rasten auf mich zu. Millimeter vor mir bleib der Wagen stehen. Ich blickte in ein bekanntes Gesicht. Leon sprang raus und rannte auf mich zu ohne lange zu warten half er mir Jenny abzustützen. Wir gingen neben die Beifahrertür und Jenny übergab sich schon wieder.

"Was zum Geier ist mit ihr los ? " fragte er.

"Später. Bring mich mit ihr in die Klinik."

Er klappte die Sitz zurück und half mit Jenny ins Auto zu kriegen. Ich legte sie vorsichtig ab und setzte mich hinter Leon. Ich nahm ihren Kopf auf meinen Schoß und streichelte ihr Haar.

"Halt durch. Bleib ja schön wach, hörst du ? " sagte ich die ganze Zeit.

Leon war ins Auto gesprungen und fuhr wie ein Gaskranker los. Er raste die ganze Straße runter und bog nach ein paar Straßen rechts ab. Jenny bewegte sich schwach und dann sah ich das sich ihre Lippen bewegten. Ich verstand sie nicht und ging näher an sie ran. Sie sah im Gesicht vollkommen zerstört aus. Übersäht von blauen Flecken und tiefen Schnitten des Messers. Jetzt verstand ich ihre Worte die sie mir sagen wollte.

"Bitte steig aus... " sie machte eine Pause und hob mit viel Kraft ihren rechten Arm um ihre Hand an meine Wange zu legen.

Ich hielt ihre Hand fest und spürte Kälte. Sie glitt immer weiter davon

"...solange du noch raus kannst... tus für mich...und für Kevin."

Nach diesen Worten fielen ihre Augen zu. Eine Sekunde später spürte ich ihre Kräfte schwinden. Der leichte Druck ihrer Hand verlor die Wirkung. Immer weniger holte sie Luft bis ihr Atem mit einmal versiegte. Der Kopf sackte ab. Ich riss die Augen auf.

"Jenny. Nein. Komm zurück....Jenny. " schrie ich vergeblich.

Sie konnte mich nicht mehr hören. Ich rüttelte sie so stark ich konnte um sie wieder aufzuwecken aber meine Versuche blieben ohne Erfolg. Ich versuchte eine Mund zu Mund Beatmung aber auch die brachte mir meine Jenny nicht zurück. Ich sah nach vorn und Leons Gesicht mit nassen Augen im Rückspiegel. Er raste auf das Krankenhaus zu das in einem guten Kilometer auf der rechten Straßenseite lag.

"Jenny los. Laß mich jetzt nicht im Stich." schrie ich nochmals.

Leon raste die Rampe für Rettungswagen hoch und bremste scharf direkt vor der Tür. Wie ein Irrer sprang er winkend auf und ab.

"Mann los. Notfall. Wo bleibt ihr Penner. Nu macht doch mal. Notfall. Kommt doch mal ausm Arsch. " brüllte er und es hatte Sinn.

Zwei Sanitäter kamen mit einer Trage angerannt. Sie halfen mir Jenny aus dem Auto zu holen und sie auf die Trage zu legen. Ihr Körper hing schlaff als sie hochgehoben wurde. Ein Arm fiel von ihrem Bauch runter und baumelte an der Seite hin und her. Ich legte ihn vorsichtig wieder zurück und ließ meine Hand drauf. Dann begann die Hetzjagt in Richtung Not-Op. Ich hielt mit den Pflegern Schritt und erzählte kurz was ich wußte und gab die Spritze ab.

"Sie müssen hier warten." sagte der Sanitäter und ließ mich stehen.

Ich sah zu wie mein Engel hinter einer großen weißen Tür verschwand und ich konnte nichts tun als beten. Lange starrte ich auf die Tür. Ich war überall mit Blut verschmiert und zitterte am ganzen Körper. Meine Hände waren taub und ich bekam wieder dieses seltsame Gefühl das ich zusammenbrechen würde. Leon legte mir seine Hand auf die Schulter und drückte fest zu. Vielleicht damit ich merkte das ich noch da bin.

"Das wird schon wieder. " ermutigte er mich.

Ich nickte nur da ich mir nur dachte "Hoffentlich". Aber ich sprach es nicht aus.

"Junger Mann ? " erklang eine Stimme hinter uns.

Weder ich noch Leon waren jetzt im Stande auf diese Stimme zu reagieren. Sie nervte nochmals.

"Ihr Auto muß da weg. " sagte die Schwester etwas lauter.

"Ja Mann, nu geh mir nich aufn Docht. " antwortete Leon und ging fluchend den Gang zum Eingang zurück.

Ich setzte mich hin und starrte auf den Fußboden. Nach ein paar Minuten kam Leon zurück und setzte sich neben mich. Er lehnte sich wie ich nach vorn und sah mich von der Seite an.

"Und ? "

"Noch nichts." antwortete ich.

In meinem Kopf war nun Alles durcheinander. Wie wild rasten mir ihre Worte durch den Kopf. Ich schloß die Augen, was der größte Fehler war, denn ich sah sie vor mir. Gefesselt an dem Stuhl und halb tot. Schnell machte ich die Augen wieder auf und starrte wieder zur Tür. Das half aber auch nicht, da ihre Stimme in meinem Kopf hallte.

"Bitte steig aus...solange du noch raus kannst"

Diese Worte hallten durch meinen Kopf und ich konnte sie nicht daran hindern. Nach ungefähr einer Stunde schwang die Tür auf und der Arzt trat mit ernster Miene auf mich zu. Ich stand auf obwohl ich ahnte das es ein Fehler war. Seine Miene verriet mir das Schlimmste. Er konnte mir nicht in die Augen sehen sondern sah eher auf meinen Mund.

"Es tut mir Leid aber ich hab alles versucht. " sagte er schließlich

In meinem Kopf fing es an sich zu drehen und mein ganzer Körper zitterte.

"Nein. Das ist jetzt nicht ihr Ernst."

Meine Knie wurden plötzlich weich und ich sackte weinend auf die Selbigen nieder. Leon der neben mir stand legte tröstend die Hand auf meine Schulter obwohl er gerade selbst mit den Tränen kämpfte, warum auch immer. Er kannte sie nicht so wie ich.

"Das darf nicht wahr sein. " schluchzte ich.

Meinen Kopf in Richtung Boden gesenkt hockte ich da und versuchte mich zu fangen, was mir nach einiger Zeit auch gelang. Ich stand vorsichtig auf.

"Kann ich sie nochmal sehen ? " fragte ich den Arzt.

"Wer sind sie eigentlich ? "

"Ihr Freund. " gab ich ihm die Antwort

Er nickte und ging auf die Tür zu. Langsam öffnete er mir die Tür und ich ging hinein. Da lag sie nun auf dem Tisch wie ein Engel. Unter Tränen trat ich näher an sie heran. Mein Blick war wieder verschwommen, wie so oft in den letzten Tagen. Ich nahm ihre Hand und hielt sie in meinen Beiden, genau so wie in der Pizzeria.

Der Abend schoß mir in die Gedanken so wie eine Kugel die meinen Kopf durchdrang. Die Worte die sie an diesem Abend sagte hallten durch meinen Kopf.

"Ich habe Angst...Angst davor Allein zu sein" hörte ich sie in meinem Geist reden.

Ich sah in Gedanken die Träne die ihrem Auge entrann und auf die Karte fiel. Nun war ich es der jede Menge Tränen verlor. Sie rannen Meine Wangen entlang und fielen vom Kinn aus auf das weiße Laken unter dem Jenny lag. Der Schmerz in meiner Seele brannte wie ein Feuer das mich von innenher auffraß. Meine Augen brannten und waren heiß. Ich hatte das Gefühl als ob ich heißes Wasser weinte. Ich sah alles was wir erlebt hatten nochmal im Rücklauf. Ich schloß die Augen und sah sie im Kerzenschein. Ihr Gesicht als sie auf der Bank auf meinem Schoß lag bis hin zu unserer ersten Begegnung in der Bahn als ich die Träne in ihrem Auge sah und mich verflucht hatte. Alles. Ich sah es wie einen Film. Zum Schluß drückte sich der Anblick ihres Todes durch und ich sah sie auf dem Stuhl. Sofort riß ich die Augen auf und atmete tief ein und aus. Das die Tränen noch immer aus meinem Auge rannen nahm ich schon nicht mehr wahr. Es waren einfach zu viele so das sich die Augen schon daran gewöhnt hatten. Mein Kopf war noch immer verwirrt.

Ich hörte sogar meinen besten Freund mit seinen Worten das er immer für mich da ist.

"Egal wo ich bin, Im Herzen werde ich immer bei dir sein.. " sagte er kurz bevor er sich eine Überdosis Tabletten nahm.

Mich überkam der Wunsch ihr,auch wenn sie mich nicht hörte, ein Versprechen abzugeben.

"Jenny. Hab keine Angst mehr. Ich bin im Herzen bei dir. Egal wohin du gehst. Ich liebe dich." füsterte ich.

Dann ließ ich ihre Hand los und gab ihr einen letzten Kuß auf den Mund. Ein letztes Mal streichelte ich ihre Wange mit dem Handrücken und ihre Haare mit der Handfläche. Ich trat danach einen Schritt zurück und sah sie noch immer an. Meine Augen brannten wieder aufs neue und mein Hals schmerzte beim Schlucken. In meinem Schädel hörte ich ihr Lachen als wir den Nachmittag im Park verbrachten. Mein Schmerz war unbeschreiblich. Es war als ob mich ihr Verlust zerreißen würde. Das häßliche Gefühl der Hilflosigkeit beherrschte mich.

Es gab nichts was ich in irgendeiner Art und Weise für sie tun konnte. Sie trat wie ein Tornado in mein Leben und verschwand auf eine Art wider daraus die einem die Frage nach einem Warum nahe legt. Das Warum gerade ich.

Der Arzt kam herein und blieb an der Tür stehen.

"Sie war etwas ganz besonderes. " sagte ich ohne ihn anzuschauen.

"Ich weiß wie sie sich fühlen. Es tut mir leid aber ich habe alles in meiner Macht stehende getan."

Ich ging zu ihm. Es war verdammt schwer den Blick von Jenny zu lösen aber ich schaffte es irgendwie. Ich legte die Hände auf seine Schultern und sah ihm direkt in die Augen. Diesmal tat er es auch, so schwer es ihm viel.

"Ich weiß. Und ich danke ihnen dafür. "

Nun nahm ich die Hände runter und drehte mich nochmal zu ihr um. Bevor ich noch länger den Schmerz empfinden mußte sie zu sehen und nichts mehr tun zu können ging ich ohne ein Wort durch die Tür. Den Kopf in Richtung Boden gerichtet stand ich dann auf dem Flur. Der Arzt stellte sich nochmals neben mich.

"Brauchen sie ein Beruhigungsmittel ? "

"Nein. Ich nehm keine Drogen mehr." gab ich ihm zur Antwort.

Er nickte nur und nahm dann einen Zettel aus seiner Brusttasche. Er schrieb kurz etwas auf und sah mich dann an.

"Würden sie mir vielleicht ihre Telefonnummer für Rückfragen geben ? Ist heute vielleicht etwas viel was auf die einwirkt um jetzt noch Fragen zu beantworten. "

"Da haben sie Recht."

Ich nahm den Zettel und den Stift und schrieb ihm Alles auf. Er bedankte sich dafür und fragte mich ob er noch etwas tun kann. Mir fiel nichts ein was er noch machen konnte. Es gab ja nichts was Jenny zurückbrachte. Ich ging zu Leon und sah ihn an. Obwohl wir uns nicht großartig kannten heulte auch er wie ein Schloßhund. Er stand auf und fiel mir um den Hals.

"Scheiße Mann. Ich mach mir Vorwürfe weil ich nich schneller war. Hätte ich .. " heulte er.

"Hör doch auf. Wenn du nicht da gewesen wärst dann wäre sie auf der Straße gestorben. Du trägst keine Schuld." sagte ich zu ihm.

Er bekam sich langsam unter Kontrolle. Ich gab ihm die Hand und er drückte nicht so fest zu wie bei unserer ersten Begegnung. Ich sah ihn aus meinen blutunterlaufenen Augen an.

"Sie wird dir deine Mühen danken. Irgendwie und irgendwann." Sagte ich.

"Hör auf. Hab mich grade wieder eingekriegt. Soll ich wieder anfangen zu heulen ? "

"Nein. Ist schon gut. "

Ich nahm ihn nochmal kurz in den Arm und klopfte ihm auf die Schulter. Er machte das Gleiche. Dann drehte ich mich um und lief los. Die Schwester sah uns besorgt an aber sagte nichts als ich vorbei ging. Die schwere Tür nach draußen öffnete sich und ich sah das es angefangen hatte zu regnen. Ich dachte an das Sprichwort das der Himmel weint wenn ein Engel stirbt. Ja ich glaubte jetzt daran. Leon stellte sich neben mich und sah zum Himmel rauf.

"Soll ich dich manchmal nach Hause bringen ? Ich mein ich müsste eh die Richtung zurück. "

Ich sah ihn an und schüttelte stumm den Kopf. Er nahm seine Geldbörse und holte eine Karte raus.

"Hier. Wenn du mich brauchst ruf an."

Dann nahm er mich nochmals in den Arm und klopfte mir auf die Schulter. Danach ging er zum Auto. Mehrmals drehte er sich besorgt zu mir um. Ich hob noch die Hand als er abfuhr und machte mich dann selbst auf den Heimweg. Ich wußte das ich dort nicht bleiben konnte. Ich würde wohl ein paar Sachen packen müssen und zu einem Kumpel gehen müssen. Nach einer guten Stunde kam ich vollkommen durchnässt an und ging hinauf. An der Küche ging ich so schnell wie möglich vorbei. Ich hatte eh keinen Hunger. Ich setzte mich im Schlafzimmer aufs Bett und legte den Kopf in die Hände. In dieser Haltung verharrte ich erstmal. Die Stimmen in meinem Kopf waren für den Augenblick verstummt aber als ich die Augen schloß kam das Bild aus der Küche sofort in meinen Sinn.

Ich spreizte die Finger auseinander und öffnete sie Augen. Mir fiel Jennys kleine Handtasche auf. Ich sah sie eine Weile an und stand dann auf. Ein kleiner Reißverschluß öffnete sie und ich schüttete den Inhalt aufs Bett. Ich sah ein paar Auromatenpassbilder, ein kleines Buch, einen Gummi und ein paar Feuerzeuge. Irgendwie seltsam aber ich fragte mich in diesem Moment warum sie den Gummi nicht nutzen wollte wenn sie einen hatte. Nachdem ich die Frage beiseite geschoben hatte weil sie fehl am Platze war nahm ich die Fotos und sah kurz drauf. Sie hatte das schöne Lächeln aufgelegt und mir schossen sofort wieder die Tränen in die Augen. Oh Gott wie schön sie war. Ich steckte schnell die Fotos ein und nahm das Buch in die Hand. Es war ihr Tagebuch.

Eigentlich las man es ja nicht aber ich tat es trotzdem. Keine Ahnung warum aber ich tat es einfach. Zielsicher schlug ich die letzte Seite auf.

"Ich habe endlich die Rettung aus meinem Scheißleben gefunden. Er heißt David und ich liebe ihn wie nichts Anderes auf der Welt. Er gibt mir Schutz und ich fühle mich so wohl bei ihm. Wenn ich irgendwann mal sterben muss dann nur in seinen Armen. Ich hab keine Angst mehr allein zu sein und mein Leben hat enlich einen Sinn bekommen. Vielleicht werde ich meine eigene Familie mit ihm gründen. Ich denke das ich einen Platz in seinem Herzen habe und er mich nicht im Stich läßt. Würde alles für ihn tun. Oh. Ich glaub er kommt nach Hause."

Ich laß mit mehreren Augenwischen den Text zu Ende und fing plötzlich und unerwartet an zu weinen. Ja sie hatte Recht. Sie starb verdammt nochmal in meinen Armen und ich habe sie in meinem Herzen. Genau das Herz was jetzt gerade einen gewaltigen Stich im inneren hatte. Das Buch ließ ich irgendwie fallen und schlug die Hände vors Gesicht um das schluchzen zu dämpfen. Es war nicht mehr auszuhalten.

Jetzt kamen die Worte zurück "Bitte steig aus... solange du noch raus kannst... tus für mich...und für Kevin."

Ihre Stimme hallte wieder durch meinen Kopf. Immer wieder und wieder. Ich nahm alles an Kraft zusammen was ich noch hatte und schlug ein letztes Mal das Buch auf. Dann nahm ich einen Stift und blätterte eine Seite weiter wo noch Platz war.

"Hier schreibt David. Ich weiß das ich dieses Buch nicht zu lesen und auch nichts darin zu schreiben habe. Es tut mir auch leid, selbst wenn du mir entrissen wurdest und es weder hören noch lesen kannst. Jenny du hattest in allen Punkten Recht. Du bist in meinen Armen gestorben und somit ist auch ein Teil von mir gestorben. Du warst seit 6 Jahren die erste Frau die mir zeigte das meine Gefühle nicht tot sind. Ich liebe dich und du wirst ewig in meinem Herzen weiterleben. Ich werde dich begleiten, egal wohin und ich werd dich niemals vergessen, solange ich lebe. Ich werde dir deinen letzten Wunsch erfüllen. Ich steige ab sofort aus diesen Geschäften aus. Für Dich und Kevin. Du wirst mir fehlen mein Engel, Ich Liebe Dich. Ruhe in Frieden."

Ich klappte das Buch zu und steckte es ein. Danach suchte ich meine Reisetasche und packte mir ein paar Klamotten ein. Gegen sieben Uhr verließ ich zum letzten Mal meine Wohnung. Ich fuhr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu meinem Freund der sich um mein Auto kümmerte. Er hatte gerade seine Tore aufgemacht als ich ankam.

"Mein Gott wie siehst du denn aus ? Was is passiert ?" fragte er.

"Is ne verdammt lange Story. Später vielleicht. Kann ich für einen Tag hier bleiben ? " wollte ich wissen.

"Klar doch. Wenn du irgendwo hinmußt kannst du den alten Corsa da hinten nehmen. Dein Auto wird wohl erst morgen fertig. Kann ich sonst noch was für dich tun ? "

Ich nahm einen Zettel von seiner Werkbank und schrieb einen Satz auf.

"IN MEMORY OF JENNY & KEVIN" und darunter noch "R.I.P."

Dann gab ich ihm den Zettel in die Hand. Er schaute drauf und dann zu mir auf.

"Bitte in weiß aufs Heck." sagte ich nur.

Aufgrund des letzten Satzes fragte er nicht weiter nach wer die beiden waren.

"Mach mich gleich ran. Ist dann morgen trocken. Bezahlen brauchst du mir das nicht extra."

Ich reichte ihm mit festen Druck die Hand zum Dank. Dann fragte ich ihn nach den Schlüsseln für den Corsa, da ich nachdem ich einen Platz zum Schlafen hatte nur noch nach Rache für Jennys Tod suchte. Ich dachte mir schon das Ali etwas damit zu tun hat, aber hatte keine Beweise außer den Namen auf Jennys Stirn. Jemand mußte wissen wer Kevin umgelegt hatte. Und es war einer von Alis Leuten auf dem U-Bahnhof. Also würde ich mich an Ali rächen.

Den Rest werde ich dann abwarten. Ich machte mich auf den Weg. Unter meiner Jacke hatte ich meine Pistole im Halfter. Ich fuhr in den Park wo sich Ali oft aufhielt. Meist saß er dort einfach nur rum und sonnte sich. Ich fand ihn auch. Zielgerichtet ging ich in seine Richtung. Der Park war um diese Zeit leer und nur er war zu sehen. Dann sah ich seinen Bodyguard der schnell auf mich zukam. Ich lief langsamer und er stellte sich vor mich.

"Was willst du ? " fragte er mich.

"Von dir nichts." antwortete ich ihm und ging vorbei.

Das gefiel ihm gar nicht und er packte mich an der linken Schulter. Ich drehte mich um und er rechnete weder mit der Linken die ihm ins Gesicht flog noch mit der rechten Faust die ihm den Kieferknochen zersplitterte. Er ging zu Boden und hielt sich seinen Unterkiefer. Zufrieden ging ich weiter auf Ali zu. Kurz vor ihm zog ich die Waffe. Er hatte seine wohl vergessen oder sie lag in seinem Auto. Es war mir egal. Ich hielt die Kanone in die Höhe seiner Stirn.

"Schönen Gruß von Jenny."

Überrascht starrte er mit offenem Mund und dann knallte ein Schuß durch den Morgen. Ich hatte ihm mitten in die Stirn geschossen. Das Blut spritzte zwar aber nicht bis zu mir rüber. Er sackte zusammen und fiel mit dem Gesicht in den Dreck. Es war eine Wohltat diesen Wichser fallen zu sehen. Gott sei dank hatte keiner was gesehen und ich rannte bis zum Auto was ich mehrere Straßen abseits geparkt hatte. Dort angekommen machte ich mich auf den Weg zu meinem Kumpel. Ich wollte erstmal richtig lange ausschlafen.

Das tat ich dann auch. Ich pennte satte dreizehn Stunden durch. Meine Träume konnte ich nicht deuten. Ich war eher wie tot. Mein Kumpel weckte mich nicht sondern wartete das ich von alleine wach wurde. Ich sah ihn mit verschlafenem Blick an und er stellte wortlos einen Kaffee auf den Tisch. Dann drehte er sich um und wollte gehen. Kurz vor der Tür blieb er stehen.

"Ach so. Dein Auto ist schon fertig. Und hat dein Auftauchen etwas mit dem vergifteten Mädchen zu tun ? Steht in der Zeitung."

"Sie war mein Engel und jemand hat sie mir genommen. Deshalb auch die Schrift."

"Und was nun ? Steigst du endlich aus und haust ab ?"

"Ja. Weiß zwar noch nicht wohin aber ich gehe auf jeden Fall."

"Na dann, viel Glück." sagte er schleißlich.

Ich trank den Kaffee in Ruhe aus und stand dann richtig auf. Ich legte meinem besten normal gebliebenen Freund das Geld für die Reperatur auf den Tisch und fuhr dann langsam aus der Halle. Er kam nochmals zum Auto und kniete sich daneben nieder.

"Und wo gehts hin ?"

"Keine Ahnung. Bleib erstmal in der Gegend hier."

"Bleib sauber und paß auf dich auf Alter."

Ich reichte ihm zum letzten Abschied die Hand. In Gedanken hoffte ich das sie ihn aus diesem dreckigem Spiel rauslassen das gerade begonnen hatte....

26.9.09 00:55
 


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