* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Letztes Feedback






Mein Buch PART 2

1. KAPITEL

Es war warm in diesen Tagen. Die Hauptstadt kochte förmlich und tagsüber hielt man es selbst im Schatten kaum aus. Aus diesem Grund konnte ich mich nur Abends draußen bewegen. War mir auch lieber da ich am Tage mehr Gefahr lief von den Bullen erwischt zu werden.

Mohammed, der eigentlich bei allen Dealern als Mo bekannt war, schickte mich wieder los um die Tageseinnahmen seiner Jungs abzuholen. So klapperte ich alle unsere Stationen ab. Meist wurde an U-Bahnhöfen gedealt. Unsere Zuständigkeit bezog sich mehr auf Berlins Mitte. Meine letzte und schlimmste Station an diesem Abend war der Halt an der Weinmeisterstraße. Die lag an der Linie U8 und war von Kevin besetzt.

Meist war unser Schützling leicht zu finden. Er stand normalerweise immer in der Nähe der Treppe und wartete auf mich. Normalerweise war es mit ihm am unkompliziertesten aber er hatte sich in letzter Zeit zuviel Fehler erlaubt, was mich in einen Gewissenskonflikt manövrierte. Eigentlich konnte ich den Jungen gut leiden, aber ich sollte ihm in Mo´s Auftrag einen Denkzettel verpassen.

Das geschah meist mit ein paar Schlägen oder Knochenbrüchen. Gott sei Dank blieben solche Jobs von mir fern, aber nun nicht. Der Boss sagte mir ich soll es tun und das macht man dann auch besser, wenn einem das eigene Leben am Herzen liegt. Und das war bei mir der Fall.

Irgendwie verstand ich Kevin etwas. Mit 16 Jahren ist man eigentlich nicht soweit in der Liga der Großen mitzuspielen. Der Kleine hatte ja keine Ahnung was er da machte. Er schien mich zu beneiden und wollte es soweit wie ich schaffen. Klar das das in die Hosen geht. Unsere Erfahrungen waren Welten auseinander. Mein Auftrag war von ihm mindestens 250 Euro zu holen. Wenn das nicht stimmte dann würde es ernst werden.

Ich suchte ihn am üblichen Platz und fand ihn da nicht. Als ich ein Stück die Treppe hinunter ging sah ich ihn auf der Bank sitzen. Ich pfiff einmal nach ihm. Vollkommen in Gedanken versunken bekam er mich nicht mit und blieb sitzen. Genervt verdrehte ich die Augen. Mann ich wollte nach Hause und dieser Penner kriegt nichts mit dachte ich mir.

"Kev !" schallte meine Stimme durch den Tunnel.

Erschrocken sprang er auf und sah zuerst in die falsche Richtung.

"Mann hier her. Bist du bekifft oder was ?" schrie ich ihm zu.

Dann kam er endlich zu mir. Er hatte die Hände in den Hosentaschen und sah auf den Boden beim Laufen. Kevin war um einiges kleiner als ich und hatte kurze schwarze Haare. Er fühlte sich eigentlich immer als der Größte und das obwohl er manchen Typen un dem Geschäft nicht zu zehn Prozent das Wasser reichen konnte. Er hatte einen schlechten Umsatz und verarschte obendrein seine Kundschaft.

Nicht nur einmal war er in eine Schlägerei verwickelt und ich hab ihm mehrmals den Arsch retten müssen weil er es allein nicht schaffte. Nun stand er vor mir und sah mich irgendwie angsterfüllt an.

"Hey Dave. Na alles klar ?" fragte er leise.

"Aber sicher doch. Lass rüberwachsen. Keine Lust aufn Schwätzchen. Hab noch mehr zu tun." antwortete ich ihm.

Ich sagte ihm natürlich nicht das ich eigentlich nach Hause wollte und er der letzte aufm Weg dahin ist. Dann nahm er die Hände aus den Taschen und griff in seine untere Seitentasche. Als er die Hand rauszog sah ich jedenfalls ein Bündel an Geld. Er gab mir dieses Bündel in die Hand und ich klappte es auf.

In meiner Hand befanden sich alles nur zehn Euro Scheine. Frustriert sah ich zu ihm rüber. Er wußte das ich langes zählen nicht leiden kann. Ganz besonders nicht wenn ich es eilig habe. Dies erklärte mit für den Moment schonmal seinen Blick als er mich sah.

"Sag mal was soll denn der Scheiß ? Kannst du das nicht wechseln ?"

"Kuck doch mal. Hat jetzt noch was offen hier wo man wechseln kann ? Ging nun mal nicht anders. Hauptsache Kohle."

"Na das werden wir ja sehen obs reicht !" antwortete ich ihm.

Er schluckte und ich hatte den Verdacht das es nicht reicht. Aber ich zählte trotzdem nach. Bei 170 merkte ich das es nicht reichte da nur noch drei Scheine übrig waren. Er war also unter den Anforderungen geblieben und das um 50 Euro.

"Mehr nicht ? Gehts noch ?"

" Ich ..." fing er an zu stottern.

"Mo hat dich gewarnt. Er hat dich verdammt nochmal gewarnt." schrie ich ihn an.

Dann kam der Moment für den ich mich noch heute hasse. Mit meiner geschlossenen Faust schlug ich ihm in den Magen. Vor Schmerzen ging er mit dem Oberkörper nach unten. Leider war das noch nicht alles was ich tun mußte. Ich sollte ihm einen Denkzettel verpassen also griff ich nach seiner Hand.

"Nein !" flehte er weil er wußte was los war.

Ich starrte stumm an die Wand um seinen Blick nicht zu sehen. Das Flehen reichte mir schon aus um mich so richtig mies zu fühlen. Langsam tastete ich mich zu seiner Hand durch und weiter zum Mittelfinger. Als ich ihn hatte bog ich ihn weit zurück. Ich spürte das Brechen des Fingers aber hörte nur Kevins schmerzerfüllten Schrei der durch den Bahnhof fuhr.

Er hallte lange nach. Kevin fiel auf die Knie als ich die Hand losließ. So hockte er nun da und hielt seine Hand. Ich kannte die Schmerzen zu gut. Auch ich hatte schon Knochenbrüche auf ähnliche Art erlebt. Meist aber auch nicht, da mich die vorherigen Schläge mehr beschäftigten.

"Scheiße, Scheiße." weinte er immer wieder.

Mein Gott wie ich diesen Moment verfluchte, aber ich mußte es tun um nicht selbst als Opfer zu enden. Wenn man in den Kreisen einen Fehler macht kann es der letzte sein den man im Leben begeht. Ich wußte nicht genau ob er es verstehen würde aber ich sagte ihm im gehen noch das er nächstes Mal besser die vereinbarte Summe haben solle. Dann mußte ich so schnell wie möglich raus da.

Auf der Straße angekommen mußte ich mich übergeben. Ich hörte im Ohr immer wieder sein flehen das ich es nicht tun soll. Der Schrei hallte jetzt nicht mehr in dem Bahnhof aber dafür in meinen Ohren. Ich schwitzte und mit der nächsten Sekunde wurde mir kalt. Es war fast wie im Entzug. Meine Hände zitterten und ich hatte weiche Knie. Nochmals würgte ich reine Galle hoch. Ich schloß die Augen und versuchte mich wieder zu fangen. Noch immer schallte sein Schrei durch meinen Kopf bis zu dem Moment als ein Penner der von hinten leise an mich rangetreten war mich unterbrach.

"Na Dicker. Mußt du nich so viel saufen wenn du nix verträgst." lallte er.

Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. Ich hätte bei dem Gesicht fast nochmal gekotzt. Schmal, faltig und mit zwei sichtbaren Schneidezähnen. Ob da noch mehr Zähne waren konnte und wollte ich nicht beurteilen.

"Wer hat dich denn gefragt. Verzieh dich oder ich haue dir die zwei Zähne auch noch weg." drohte ich ihm.

Erstaunlicherweise verstand er es. In den Nachthimmel starrend atmete ich nochmal ganz tief durch und setzte mich vorsichtig in Bewegung. Wie ein Zombie bewegte ich mich zu meinem Auto, nur mit dem Unterschied das ich eigentlich noch lebte. Unterwegs sah ich mich ab und zu um ob mir jemand folgte. Entweder wegen dem was im Bahnhof passiert war oder ein Penner der seinen Freund schützen will.

Ich bemerkte nichts aber drehte mich vorsichtshalber am Auto nochmals um. Das war dann ein weiterer Fehler, der mir aber nur einen Schrecken einjagte. Als ich mich meinem Auto zuwenden wollte war plötzlich ein anderes zahnloses Gesicht vor meinen Augen. Er fackelte nicht lange und packte mich mit festem Griff am Arm. Leider konnte er weder den Griff lange so fest halten noch konnte der Typ grade stehen. Er wankte vor und zurück.

"Du hast grade meinen Kumpel gedroht. Ich zeig dir jetz die Gesetze der Straße." brubbelte er vor sich hin.

Mann der Typ konnte kaum stehen aber wollte mich anpissen. Um so ernst wie möglich rüberzukommen mußte ich ganz kräftig das Lachen unterdrücken. Das war ziemlich schwer da der Kerl einfach nur eine Witzfigur darstellte. Zerfetzte Klamotten, eine Fahne wie der Reichstag und keinen Plan wo er sich gerade befand. Ich hatte sogar Bedenken das er überhaupt wußte wer er war. Geschweige denn wen er grade vor sich hatte.

"Als erstes nimmst du die Flosse von mir." sagte ich so ernst wie möglich und schüttelte seinen Arm ab.

"Und jetzt verzieh dich sonst schlag ich dir die hohle Birne ein."

Er schien mich nichtmal zu verstehen. Also ich hab ja auch einiges an Alkohol vernichtet aber so schlimm war ich noch nicht. Anhand seiner Fahne schloß ich auf Bier, Korn, Goldbrand und einen leichten Hauch von Kotze. Kann mich mit letzterem auch getäuscht haben weil ich vorher auch rückwärts gegessen hatte. Aber es würde sehr gut zu ihm passen. Saufen, Kotzen, Weitersaufen und so weiter.

Aber anstatt mich in Ruhe zu lassen kam er einen Schritt näher und wedelte mir die selben Worte nochmals ins Gesicht. Mir wurde übel von seinem Mundgeruch.

"Ich hab kein Alzheimer !" schrie ich nach seiner Wiederholung.

"Jetz hau ich dir eine vors Maul." bekam ich als Antwort von ihm.

Er schob mich mit einem Ruck auf mein Auto zu. Unsanft knallte ich gegen meine Tür.

"Jetzt reichts !" brüllte ich.

In der Vorwärtsbewegung vom Auto aus bekam er meine Faust zu spüren. Da hatte ich kein schlechtes Gewissen. Er wollte es nicht anders. Hart traf ich sein Nasenbein. Der Schmerz setzte erst ein bißchen spät ein aber der Winkel war sehr bescheiden so das ich mich bei der Aktion selbst verletzte. Gott sei Dank brauch ich mir die Hand nicht dabei. Mit einem lauten Stöhnen klatschte er auf den Asphalt.

"Mann ich will doch nur nach Hause. Ist das denn zuviel verlangt ? Ich hab wenigstens eins, Wichser."

Wie ich erwartet hatte kam von ihm kein Kommentar mehr. Ich stieg ins Auto und machte mich endlich auf den Heimweg. Laut sprang mein Auto an. Ich ließ beide Fenster runter und drehte die Anlage auf.

Selbst um diese Uhrzeit war in dieser Metropole was los. Die Gehwege waren an einigen Stellen überfüllt und alles was sich tagsüber nicht auf die Straße traute kam jetzt aus dem Loch. Gangs die sich die Herrschaft auf der Straße erkämpften. Also für mich waren das nur pubertierende Wichser die einfach nur cool sein wollten. Nicht einer legte sich mit mir an, da sie mich alle kannten, wie Anfangs gesagt war der Name Dave hier einer der Großen, so das sich niemand der bei Verstand war traute mich anzupissen.

Mal abgesehen von dem ganzen Dreck der sich in den Gossen rumsielte war für mich die schönste Augenweide die Szene der Streetracer. Davon gab es hier reichlich die mit ihren schillernden Wagen und greller Unterbodenbeleuchtung jede Nacht die Straßen zu ihrem Spielplatz machten. Auf zwei bis drei Spuren tobten sich PS Boliden von Audi bis Volkswagen aus. Auch viele japanische Importwagen sah man nachts.

Ab und zu ließ ich mich auch mal dazu verleiten den ein oder anderen Fahrer platt zu machen. Es war zum einen mit meinem Auto eine Leichtigkeit und zum anderen liebte ich die Überlegenheit. Den Kick den der Speed auslöste war unbeschreiblich. Es fliegt einfach alles an dir vorbei und du weißt das du ein Sieger bist. Meißt stoppte ich die Großmäuler schon mit dem Einlegen des dritten Gangs. Und wie es der Zufall wollte wurde ich für den Streß des Abends sogar noch mir einer Ablenkung belohnt und das obwohl ich es nicht verdient hatte.

An einer roten Ampel blieb ich stehen, auch nur weil es mich geblitzt hätte wenn ich durchgefahren wäre. Sonst interessieren mich rote Ampeln um diese Zeit einen feuchten Dreck. Direkt neben mir hielt plötzlich ein strahlend weißer Honda Civic. Die Scheiben waren komplett schwarz verspiegelt und unter dem Auto leuchtete grelles blaues Neonlicht. Jeder Bulle hätte das Auto auf den Kopf gestellt und sich alle ABE´s zeigen lassen um es dann doch stillzulegen. Allein die Scheiben waren ein guter Grund dazu. Die Scheiben waren so dunkel das man nichtmal den Schatten des Fahrers sehen konnte. Der Civic ließ den Motor aufheulen. Der Turbo pfiff mit jedem Druck aufs Pedal.

Als Fan solcher Boliden wußte ich nur zu gut das dieses Geschoß mächtig Power unter der Haube hatte. Irgendwie wollte ich es trotzdem wissen. Ich schaltete mein Neonlicht an, was ich mir für diese Zwecke einbauen lassen hatte. Passend zum mattschwarzen Lack hatte ich ein grelles Rot verbaut. Ich stellte mir den Sitz besser ein und spielte auch etwas mit dem Gas. Ich ließ den Drehzahlmesser bis auf 5000 Umdrehungen hoch und wieder runter. Dann kam die Überraschung.

Das Fenster des Civics senkte sich und ich sah eine junge Frau am Steuer die vielleicht gerade mal um die 20 Jahre alt war. Sie hatte ein schwarzes Top an und lächelte mich an. Ich glaubte das ich träume. So ein hübsches Mädchen hatte ich schon länger nicht gesehen. Sie hatte lange blonde Haare die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Sie war ziemlich braungebrannt. Alles in Allem machte mir der Oberkörper den ich da sah Lust den Rest auch noch zu sehen.

"Das is aber unfair" rief ich ihr zu

"Hast doch eh keine Chance, Mann" lachte sie.

Dann griff die nach unten und holte zu meinem Erstaunen einen fünfziger hoch. Sie wedelte damit hin und her.

"Bis zur Tanke sinds ca 2 km. Wer zuerst da ist"

Ich war jetzt mal so richtig fertig. Nichtmal das mein Mund offen stand bekam ich mit.

"Du kannst den Mund auch zumachen, oder haste noch nie soviel Geld gesehen ?" sagte sie.

Diesen Mut brachten bisher nur wenige auf und erst recht noch keine Frau. Sie schien von sich und ihrem Auto sehr überzeugt zu sein. Natürlich wollte ich es wissen. Ich nahm die Wette an und zeigte ihr das ich auch den Wetteinsatz liefern konnte.

"Bei Grün gehts los. Soll ich dann schonmal nen Kaffee bestellen bis du ankommst ?" lachte ich.

"Denke das können wir lassen. Der is ja schon kalt eh du da bist." kam sofort die Antwort.

Mit immer wieder aufheulenden Motoren standen wir nun an der roten Ampel. Ich war angespannt wie bei jedem Rennen das ich fuhr. Langsam drehte ich den Kopf nach links um nochmal einen Blick von ihr zu erhaschen. Sie saß lässig am Steuer und strich sich eine blonde Sträne aus dem Gesicht. In ihrem Gesicht entdeckte ich in der kurzen Zeit die ich sie ansah ein leichtes lächeln. Ja sie war sich siegessicher.

Ich wollte ihr unbedingt diese Sicherheit nehmen, so wie jedem anderen vor ihr. Die Ampel schaltete auf grün. Kupplung und der 1. Gang waren schnell eingelegt. Ich trat das Pedal durch und der Anzug des BMWs preßte mich in den Sitz.

Bei 5000 Umdrehungen trat ich die Kupplung durch und blieb etwas auf dem Gas beim einlegen des 2. Gangs. Als ich die Kupplung losließ ruckte das Auto kräftig und mit einem quitschenden Reifen nach vorn. Wieder das selbe Spiel und der 3. Gang war drin. Wie immer war ich vorn und fühlte mich sicher. Mein Tacho stand bei ca 120 und ich führte um fast die komplette Wagenlänge.

Das Mädchen schaltete zu früh und gab dazwischen kein Gas. So wird das nie was mit dir, dachte ich jedenfalls.

"Leicht verdiente Kohle. Von wegen keine Chance" lachte ich.

Dann kam der Schrecken mit einem lauten Hupen. Der Honda blendete zweimal auf und zog mit einer unnormalen Geschwindigkeit an mir vorbei. Ich schätzte es mit ungefähr 160 km/h ein. Ich dachte ich träume als sie mich ohne Probleme stehen ließ.

Als sie den nächsten Gang einlegte und wieder Gas gab schoßen Flammen aus der Duplex Auspuffanlage. Oh ja. Die Kiste hatte Feuer, aber ich wurde das erste Mal geschlagen. Und das zur Krönung noch von einer Frau.

"Scheiße" fluchte ich laut.

Eigentlich war es ja sinnlos da eh keiner da war. Und alles Fluchen der Welt nutzte jetzt nichts da ich verloren hatte. Sie hatte mich geschlagen und das ganz eiskalt.

Sie bog rechts in die Tankstelle ab und stellte sich rückwärts in die Lücke neben dem Staubsauger. Ich fuhr etwas später rein, ist ja auch normal wenn man der Loser ist. Genau neben an parkte ich ein. Im Rückspiegel sah ich nochmehr funkelnde Karossen an der Tanke stehen. Langsam setzte sich die Gruppe in Bewegung sie kamen in unsere Richtung. Ich stieg aus und sah zu ihr rüber. Sie hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

"Das war wohl nichts, oder ?" lachte sie.

"Was zum Geier hast du mit der Kiste gemacht ? Ist ja nicht normal"

"Erstmal kommst du jetzt hier her und rückst den Gewinn raus" antwortete sie schnell.

Die Kleine verstand was von der Szene. Kleine weil sie nicht besonders groß war. Dafür aber wunderschön. Ich ging langsam zu ihr und zog mein Geld aus der Tasche. Ich hielt ihr den doppelten Gewinn hin und sie machte einen überraschten Blick. Ich nahm kurzentschlossen ihre Hand und legte ihr das Geld einfach hinein.

"Hier. Da du die erste Frau warst die es geschafft hat mich fertig zu machen gebe ich dir den doppelten Gewinn. Bis jetzt hat mich noch niemand so abserviert. Und erst recht kein Mädel" sagte ich zu ihr.

Sie hatte den Mund offen stehen und starrte mich an.

"Hey Mund zu. Und nach stieren kommt Wahnsinn !"

Wie aus einer Trance erwacht schüttelte sie leicht den Kopf und machte dann den Mund zu. Hätten bloß noch die Speichelfäden in den Mundwinkeln gefehlt und ich hätte sie als irre abgestempelt.

"Scheiße Mann. Komm. Ich geb dir nen Kaffee aus." sagte sie nach einer ganzen Weile.

Langsam kam der Rest der Truppe zu uns rüber.

"Vergiss es mal ganz schnell. Wenn ein Kaffee dann geb ich den aus. Du steckst die Kohle jetzt weg." antwortete ich

"Mußt ja ganz schön fertig sein."

"Kann man so sagen. Ich bin fertig. Ja. Vollkommen."

Sie grinste. Aber es kam mir irgendwie so vor als ob sie sowas öfter machte. Ich sah in ihre Augen und dachte das ich irgendwie gleich die Keule rausholen würde und sie wie ein Höhlenmann nach Hause schleppe.

"Ich bin übrigens Dave." fing ich an und streckte ihr die Hand entgegen.

Sie reichte mir ihre Hand. Warm und feucht vor Schweiß war sie. Entweder war sie von der Fahrt noch mitgenommen oder es lag daran das ich sie nervös machte. Vielleicht entstand in dieser Situation gerade etwas.

"Hi Sandra. Wer ist dein Neuer ?" kam eine Stimme von der linken Seite.

Ich drehte den Kopf von ihr weg und ließ ihre Hand los. Die Gruppe war nun bei uns angekommen und ich sah angespannt in die Runde. Hier in Berlin war ich immer darauf vorbereitet das mir irgendjemand ein paar vors Maul geben will. Das hat mich schon manchmal vor schlimmen Wunden bewahrt, ob Messer oder andere Gegenstände. Es hat noch keiner geschafft mich zu überraschen. Klar ist es nicht unbedingt die feine Art bei Leuten die man gerade kennenlernt vom schlimmsten auszugehen aber ich habe nur so gelernt zu überleben. Deshalb hatte ich nie ein Problem damit in die dunklen Nebenstraßen zu gehen.

"Ich bin nicht ihr Neuer." sagte ich nach kurzer Pause.

Er sah mich lange an. Sein Gesicht hatte ich irgendwo schonmal gesehen. Er hatte ein Achselshirt an was seine Muskeln sehr betonte. Warscheinlich ein Fitnessfreak. Jedenfalls erweckte er den Eindruck. In meinem Blickwinkel sah ich einen Opel Calibra im Hintergrung stehen. Er war in einem grellen Rotton lackiert mit zwei schwarzen Streifen darauf.

Jetzt dämmerte es langsam bei mir. Das Auto hatte ich schonmal versenkt, wie es in Fachkreisen bezeichnet wurde.

"Sag mal ich hab doch deinen Calibra letzte Woche erst versenkt, oder ?" fragte ich ihn

"Ja leider. Aber jetzt hats dich endlich auch mal erwischt." grinste er und machte einen Schritt auf Sandra zu.

Er legte die Hand auf ihre Schulter und sah dann wieder zu mir.

"Das hat sie schon öfter gemacht. Einfach unschlagbar diese Reisschüssel." erklärte er mir.

Sandra verzog eine Miene und bevor er regieren konnte gab sie ihm einen leichten Stoß in die Rippen. Er lachte laut.

"Red nich so über meinen Liebling. Ich mecker auch nich über deine Rostlaube." beschwerte sie sich lautstark.

Unbeeindruckt und immer noch lachend streckte er mir die Hand entgegen. Sandra stand neben ihrem Auto und streichelte über die Motorhaube.

"Der meint das nich so. Nich zuhören." sagte sie zu ihrem Auto.

Ich sah über die Schulter des Mannes der mir noch immer die Hand entgegenstreckte und fing an zu lachen. Sie sah lächelnd auf und zuckte nur mit den Achseln. Ich sah den Mann vor mir an und nahm endlich seine Hand entgegen bevor er noch einen Krampf bekam. Er hatte einen festen Händedruck und verdrehte im Bezug auf Sandras Anwandlung die Augen.

"Also. Ich bin Domenic. Aber nenn mich lieber Dom, is kürzer. Dann haben wir hier noch Laura mit dem hellblauen Astra da hinten. Jessy ist die Dame da und sie fährt den gelben Focus. Und Sandra hast du ja schon kennengelernt mit ihrer japanischen Taschenrakete."

Ich reichte allen außer Sandra die Hand. Sie war nach Doms Aussage eh damit beschäftigt den Autoflüsterer zu spielen. Ich versuchte schnell die Autos den Leuten gedanklich zuzuordnen und entdeckte dann noch einen Ford Mustang GT. Der wurde mir nicht vorgestellt.

"Ich bin Dave. Und meinen BMW kennst du ja schon so wie er jetzt da steht. Hast ihn ja lange genug von hinten gesehen." sagte ich schließlich mit einem Grinsen um die Vorstellungen abzuschließen.

Sandra fing unerwartet an laut zu lachen. Dom drehte sich um und sah sie fragend an. Er legte den Kopf schief dabei.

"Scheiße. Der war verdammt gut." lachte sie.

Er sagte nichts dazu sondern winkte nur ab. Ich sah nochmal zum Mustang rüber und tippte Dom danach an.

"Sag mal wer fährt denn hier einen Mustang ?"

"Ach das ist Leon. Der will heute nichts mit uns zu tun haben. Er versucht mal wieder die Kassiererin rumzukriegen."

Ich blickte in Richtung Kasse und sah einen jungen Mann. Er lehnte sich übers Süßigkeitenregal und quatschte die Kassiererin zu. Nach meinen Erfahrungen sah es recht erfolgreich aus, da sie sich wenigstens mit ihm unterhielt und von ihrer Gestik her mehr versprechen ließ.

"Jemand ein Bier gefällig ?"

Die Frage schlug ein wie eine Bombe, da alle eins wollten. Ich setzte mich in Bewegung und betrat die Tanke. Zielstrebig ging ich auf den Kühlschrank zu und nahm ein Six-Pack Becks aus ihm.

"Ich würd gerne mal gegen deinen Mustang antreten." sagte ich so beiläufig wie möglich.

Nebenbei machte ich mich in die Richtung der Kasse auf. Leon war verstummt und ich stand nun neben ihm. Er drehte den Kopf mit ernster Miene in meine Richtung und sah mich fast an als ob er mich gleich umbringen wolle.

"Was war das ?" fragte er schließlich.

"Ich biete dir einen hunderter als Gewinn an."

"Mit welchem Auto ? Der BMW ?"

"Nein. Mit Sandras Civic. Und noch ne andere Bedingung."

Ich war unbeeindruckt von seiner coolen Art und das merkte er auch. Warscheinlich war er es nicht gewohnt. Er trank sein Bier weiter und starrte kurz ins Zigarettenregal.

"Also gut. Deine Bedingung ?" fragte er mich schließlich.

"Einmal bis zur Ampel und zurück. Wäre eine Strecke von zirka vier Kilometern."

Er überlegte kurz und drehte sich nochmal um. Dann trank er das Bier aus und sah hinab auf den Tisch. Letztendlich stand er auf.

"In fünf Minuten bin ich da." sagte er endlich.

Ich antwortete nicht mehr sondern machte mich ans bezahlen. Die Kassiererin rechnete es ab und gab mir mein Wechselgeld. Ich ging ohne weiteren Kommentar raus und zu den Leuten die ich gerade kennengelernt habe zurück. Dom drückte ich das Bier in die Hand und ging dann sofort zu Sandra weiter.

"Sandra ?"

Sie stand mir dem Rücken zu mir und drehte sich erschrocken um.

"Ich weiß wir kennen und grade mal ne halbe Stunde wenns hoch kommt." fing ich an.

Mit großen Augen sah sie mich an. Ihr Blick war sowohl überrascht als auch fordernd. Irgendwie brannte es wie ein Feuer in ihnen. Sie wußte ja nicht was ich jetzt von ihr wollte.

"Und ?" fragte sie verlegen.

Sie schaute mich noch immer an. Irgendwie war es ja niedlich wie sie aussah und irgendwie hätte ich am liebsten mit meinem Anliegen noch eine Weile gewartet aber die Zeit hatte ich leider nicht. Leon würde sicher gleich kommen.

"Ich wollte dich fragen ob ich deinen Liebling für vier Kilometer mal leihen darf." sagte ich schließlich zu ihr.

Mit einem mal wich der Blick eher auf verwirrt. Sie verstand mich wohl sowas von falsch oder gar nicht. Um ihr einen kleinen Denkanstoß zu geben deutete ich auf ihr Auto.

"Ach den meinst du. Wozu willst du denn mein Auto haben ?"

"Nun ich hab Leon und seinen Mustang rausgefordert. Und ich denke das der BMW das nicht packen wird."

Sie hörte aufmerksam zu und sah mich an. Nebenbei schien sie zu überlegen ob sie es tut oder nicht. Ich sah es irgendwie in ihrem Blick das sie es wohl tun würde.

"Da muß ich dir allerdings noch was erklären. Der Wagen hat NOS. Ich weiß nicht ob du das kennst."

"Na logisch. Lachgas. Kenn ich und es ist auch kein Wunder das du mit dem Ding so abgezogen bist."

Ihre Antwort darauf war nur ein verschämtes Lächeln und ein Schulterzucken. Im Blickwinkel sah ich das Leon ins Auto einstieg und schon den Motor startete. Ein lautes Dröhnen hallte durch die stille Nacht als seine Maschine ansprang. Die Lichter gingen an und leuchteten grell. Langsam aber mit viel Zwischengas fuhr er auf die Straße raus. Ich öffnete die Tür und setzte mich ans Steuer. Das Erste was ich tat war es den Sitz einzustellen.

Er war ja fast so gemütlich eingestellt das man schlafen konnte. Nachdem das erledigt war stellte ich die Spiegel ein und startete den Motor. Ich gab ein paar mal Gas und sah den Zeiger vom Turbomotor ausschlagen. Es war ein schönes Geräusch. Bis auf den Auspuff lief das Auto sehr ruhig. Mit jedem Druck auf das Pedal pfiff der Turbo markant mit. Ich legte den ersten Gang ein und fuhr zu Leon rüber.

Er stand auf der rechten Fahrbahn und ich stellte mich genau neben ihn. Er sah nicht einmal zu mir sondern konzentrierte sich voll und ganz auf das was ihm bevorstand. Sandra war uns gefolgt und stellte sich zwischen die Autos. Sie sah erst zu mir und nickte, was die Frage bedeuten sollte ob ich bereit bin. Ich nickte zurück und sie machte das gleiche in Leons Richtung. Nachdem von ihm das Zeichen kam das auch er soweit ist kam sie nochmal zu mir. Sie streckte den Kopf durch das Fenster und sah mich an.

"Pass gut auf mein Auto auf. Hab nur das eine."

Ich sah sie an und nickte nur. Dann trat sie zurück auf die Position zwischen den beiden Autos. Sie hob die Arme hoch. Bei diesem Zeichen legte ich noch den Schalter für das Neonlicht um und ließ den Motor ein paar mal kräftig aufheulen. Sie grinste nur und schrie so laut sie konnte das Wort "LOS" als sie ihre Arme senkte.

Es kam mir vor wie mehrere Sekunden obwohl es nicht mal eine war. Ich trat das Gaspedal durch und löste die Kupplung. Der Honda zog sofort mit seiner geballten Kraft nach vorn. Ich wurde in den Sitz gepreßt und spannte alle Muskeln an. In meinem Blickfeld sah ich das der Mustang mit seinem kräftigen Antrieb fast mit der Schauze abhob. Die Geräusche mischten sich aus quitschenden Reifen und brüllenden Motoren. Ich zog den Civic bis auf 6000 Umdrehungen und schaltete dann in den zweiten Gang. Mit einem kurzen quitschen der Räder setzte riß die Kraft des Motors das Auto weiter nach vorn. Der Druck der auf mir lastete war verdammt stark. Bei weitem stärker als bei meinem BMW.

Leon zog noch immer auf gleicher Linie wie ich. Das gleiche Spiel wie mit dem ersten Schalten machte ich mit dem dritten Gang nochmal. Allerdings meldeten sich nun die Reifen nichtmehr. Es war nun an der Zeit die Ampel zu passieren und zu wenden. Leon stellte sich dabei nicht sonderlich clever an. Na ja es ist ja bei dem Gewicht auch kein Wunder das man so ein Schiff nicht in einem Zug wenden kann.

Ich konnte mit dem Leichtgewicht links einscheren und mit Hilfe der Handbremse das Auto in einem Zug wenden. Schnell war der zweite Gang eingelegt und ich trat das Pedal wieder ganz durch. Dann legte ich im roten Bereich des Drehzahlmessers gleich den vierten Gang ein und zündete per Knopf am Lenkrad das Lachgas. Der Honda machte einen gewaltigen Satz nach vorn und ich wurde noch mehr als zuvor in den Sitz gedrückt. Von den am Rand befindlichen Straßenlaternen sah ich nichts mehr außer helle Streifen links und rechts von mir. Der Blick auf den Tacho sagte mir das ich gerade die Marke von 140 km/h erreicht hatte. Nach oben hin wäre noch Einiges mehr offen gewesen aber ich merkte irgendwie das es nicht mehr weit war.

Ich sah kurz in den Spiegel aber außer Lichter in der Entfernung sah ich nichts von Leon. Das war die Sekunde wo mir nur noch der Gedanke kam dem ganzen noch die Krone aufzusetzen. Langsam ging ich vom Gas und rutschte auf dem Sitz in die richtige Position um schnell genug agieren zu können. Dann war alles in ein paar Sekunden erledigt. Wieder nutzte ich die Handbremse und riß das Lenkrad rum um eine neunzig Grad Drehung zu schaffen. Dann brachte ich es wieder in die Mittelstellung und legte mit der rechten Hand den Rückwärtsgang ein. Ich schaffte es so irgendwie rückwärts übers Ziel zu fahren. Zum Abschluß machte ich die selbe Drehung nochmal andersrum und blieb als Sieger stehen.

Leon kam langsam an. Er brauchte sich ja nun keine Mühe mehr geben da er eh verloren hatte. Ich möchte nicht wissen wie er fluchte.

Ich war ja schon schlimm aber ich denke das er auch nicht ohne war. Ich stieg aus und stand in den Nebelschwaden der Reifen. Der Rauch war durch das Neonlicht komplett in blau getaucht. Die Leute jubelten und klatschten alle bis auf Sandra. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt und blickte mit finsterer Miene zu mir. Jetzt kam Leon auch an und bog in die Tanke ein. Er blieb an den Zapfsäulen stehen und stieg frustriert aus. Ich setzte mich wieder ins Auto und fuhr zu Sandras Parkplatz zurück. An ihrer Haltung änderte sich nichts. Man konnte es auch verstehen, aber ich versuchte eine Masche die immer funktionierte.

"Hier. Alles noch ganz. Keine Kratzer, Beulen und der Sitz is auch noch trocken. " sagte ich trocken.

Einige Sekunden dauerte es bevor sie Luft holte. Sie war aber leiser als ich es erwartet hatte.

"Du bist ein verrückter Penner, " fing die kleine Dame an zu wettern. " aber du hast es drauf. "

Ich war überrascht das es so eine Wendung nahm. Sowas tollerantes hatte ich noch nie erlebt. Anfangs dachte ich daran das ich sie abschleppen würde aber die Gedanken waren von ihrem Verhalten gerade weggefegt worden. Sie kannte mich nichtmal mit meinem richtigem Namen aber gab mir ihr Auto. Irgendwie gewann ich den Eindruck das sie mich mochte, aber nach einer Stunde ist das etwas früh zu sagen. Ich gab ihr ihren Schlüssel zurück und reichte ihr zum Dank nochmals die Hand. Sie war genau so wie ich sie das erste Mal fühlte, also lag es doch an mir.

Leon kam zu und rüber und hielt meinen Gewinn in der Hand. Er war sichtlich mitgenommen. Auf gerader Strecke ist der Mustang vielleicht ein Ass aber wenn er wenden muß hat er verloren. Aber ich glaube das er es spätestens jetzt erkannt hatte. Mit gesenktem Kopf stand er nun vor mir.

"Hier ist dein Gewinn. Schöne Scheiße, Mann. " sagte er leise.

Ich sah ihn solange an bis sich sein Blick sich endlich hob und er mich erstaunt ansah.

"Junge steck deine Kohle weg. " sagte ich zu ihm.

In meinem Blickwinkel sah ich das Gesicht von Sandra das schonwieder einen lockeren Kiefer hatte da ihr Mund offen stand.

"Denk an den Wahnsinn nach dem Stieren und den Mund, Sandra. Nich das dein Mund austrocknet. " riet ich ihr ohne mich umzudrehen.

Sie schloß sofort den Mund und sah mich schief von der Seite an. Jetzt drehte ich mit einem Grinsen den Kopf zu ihr zu und sie erwiederte den Blick mit einem Lächeln.

"Muss ich noch deutlicher reden ? Steck das Geld weg. Tanke lieber davon. Dann freut sich deine Flamme da drin auch. "

Er steckte das Geld ein und reichte mir die Hand zum Glückwunsch. Auch er hatte einen sehr festen Händedruck fast noch fester als Dom.

"Danke Mann. "

Ich sah auf die Uhr und verdrehte die Augen. Irgendwie mußte ich Mo noch erreichen um ihm seine beschissene Kohle zu bringen. Also verabschiedete ich mich von Allen und wollte dann gerade einsteigen als Sandra nochmal auf mich zukam. Sie stand direkt vor mir und sah mich mit großen Augen an. Ich dachte schon das sie mir gleich um den Hals fallen würde aber auch in dem Punkt hab ich mich getäuscht.

Sie biss sich zwar auf die Lippe und war ziemlich nervös.

"Sieht man sich noch mal wieder ? " fragte sie schließlich.

"Und die Frage war jetzt so schwer ?"

Sie schüttelte kurz den Kopf und lächelte. Selbst im Dunkeln konnte man ihre Röte sehen. Es war ihr warscheinlich peinlich wie dumm sie sich benahm. Ich mußte mir das Lachen verkneifen weil es niedlich war wie sie sich anstellte. Ich lächelte aber nur und sah ihr tief in die Augen. Irgendwie genoß ich es doch ein wenig mit ihr zu spielen.

"Ich denke mal das wir uns irgendwann wiedersehen. " antwortete ich nach einiger Zeit.

Jetzt waren unsere Blicke aneinander gefesselt und es herrschte wieder ein langes Schweigen. Ich löste dann aber den Blick denn es wurde immer später und ich wollte sie vor mir verschonen. Ich wollte ihr nicht etwas geben das nur bis zum nächsten Morgen hielt. Sie war irgendwie diejenige die mir ein wenig die Augen öffnete.

"Würde mich echt freuen. " sagte sie letztendlich und ließ mich ins Auto einsteigen.

Mit markantem Sound sprang der BMW an und ich parkte aus. Ein letztes Hupen und ich verließ die junge Gruppe. Im Spiegel sah ich einen letzten nun traurigen Blick in Sandras Gesicht was mich sogar etwas bedrückte. Ich verdrängte es schnell und griff nach dem Telefon. Mein Telefonbuch beinhaltete alle möglichen Nummern von Mo´s Dealern. Ich mußte die Typen ja irgendwie erreichen wenn man sie nicht fand.

Ich drückte die Taste sechs und kam im Telefonbuch auf den Buchstaben M. Schnell wählte ich Mo an. Es hupte zwei mal dann ging er ran. Seine Stimme klang genervt.

"Was ? " fragte er mich unfreundlich

"Dave hier , wann und wo ? " auch ich passte meine Stimme seiner an.

"Platz der Luftbrücke. Am Denkmal. Beeilung ! "

Mit diesen Worten legte er auf und das Besetztzeichen tönte aus meinem Hörer.

"Danke für das nette Gespräch du Wichser. " erzählte ich meinem Telefon, da es gerade das Einzigste war was in meiner Nähe war.

Gott sei Dank waren es nur gut zehn Minuten Fahrt bis zu ihm hin. Und die Straßen waren zumindest was den Verkehr anging relativ leer. Ich bog um die Ecke und stellte mein Auto am Straßenrand ab. Vorm Aussteigen sah ich mich nochmal um weil ich irgendwie das Gefühl hatte beobachtet zu werden. Bis auf einen schwarzen Van der auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand sah ich nichts.

Ich stieg langsam aus und knallte die Tür zu. Mit einem Druck auf die Fernbedienung schoß ich das Auto ab. Ein doppeltes schrilles Pfeifen signalisierte das die Alarmanlage aktiv war. Langsam ging ich an der Motorhaube vorbei und auf den Park mit dem Denkmal zu. In weiter Ferne sah ich ihn bereits warten. Wie ich schon sagte war ich immer vorsichtig und blickte mich erstmal um als ich die Treppe hinunterging.

Ich sah seinen Bodyguard auf der anderen Seite der mir den Rücken zugedreht hatte. Was fürn Profi der nichtmal zwei Seiten überwachte. Ich ging auf Mo zu und er entdeckte mich aber bleib an seiner Position stehen.

"Morgen. " begrüßte ich ihn mit einem Blick auf die Uhr.

Er nickte nur kurz und deutete dann auf den Weg vor ihm. Das bedeutete das er ein Stück laufen wollte, was mich bei diesem faulen Sack immer wieder faszinierte.

"Wir müssen dringend reden. " fing er an und lief los.

"Es geht um Kevin. Ich denke das er mit meinem Stoff unerwünschte Geschäfte macht. Und ich habe die Befürchtung das er an Ali verkauft."

"Ich hab ihm die Finger gebrochen weil er mir grad mal 200 in kleinen Scheinen gegeben hat. "

"Gut."

Ich zog das Geldbündel raus und gab es ihm in die Hand. Natürlich übertrieb ich etwas, damit er zufrieden war. Er zählte fünf Scheine ab und gab sie mir zurück. Den Rest steckte er ohne zu zählen ein.

Ich steckte die Kohle natürlich auch schnell weg bevor er es sich noch anders überlegte.

"Es kann sein das ich dich noch brauche wenn mein Verdacht korrekt ist. Hier hast du den Stoff und die Liste wo es hin soll. " sagte er schließlich.

Ich steckte die Tüte mit den kleinen Kugeln in die Hosentasche und sah mir die Liste im gedämpften Licht an. Ich sah mehr Namen als sonst und der Beutel den ich bekam war auch dicker als sonst. Ich überflog den Zettel und stoppte bei einem Namen den ich genau kannte. Ihn hatte sonst ein anderer Kurier beliefert.

"Sind das nicht Jimbos Leute ? " wollte ich wissen.

Er sah mich an und blieb stehen. Ich drehte mich um und sah ihn an. Sein Gesicht war finster.

"Ja. Jimbo hatte einen schlimmen Unfall. " antwortete er.

Ich wußte was dies bedeutete und wollte auch die Einzelheiten nicht wissen. Er wurde aus dem Weg geräumt bevor er etwas erzählen konnte. So war das Geschäft nun mal. Wer einmal drin war kam nur tot wieder raus. Diese Tiere waren schnell und überall. Tiere deshalb weil diese Kaltblütigkeit nichts menschliches an sich hatte. Ich nickte nur mit dem Kopf um ihm zu signalisieren das ich es verstand.

"Also dann, ich melde mich bei dir. " sagte er und drehte sich um.

Er ging zu seinem Halbaffen und verschwand dann endlich von der Bildfläche. Ich konnte ihn irgendwie nicht leiden obwohl er verdammt gut zahlte. Eine ganze Weile stand ich nun allein auf dem Weg und dachte nach. Meine Gedanken waren bei Jim, wie er eigentlich hieß, und Kevin. Mein Gott wie lange wollte ich mir diesen Scheiß noch antun, dachte ich.

In den Himmel starrend stand ich nun da und bekam nichts um mich herum mit. Das einzigste was mich aus meinem Schlaf mit offenen Augen riss war meine Alarmanlage.

Ich wurde ziemlich überrumpelt davon und rannte leicht benebelt los. Auf dem Weg zur Treppe hatte ich meine Gedanken an die Jungs und mich selbst abgeschüttelt. Schnell zog ich meine Waffe aus dem Halfter und entsicherte sie. Als ich dann auf den Bürgersteig trat raste der Van den ich zuvor gesehen hatte los. Ich versuchte das Kennzeichen zu erkennen aber wo keins dran ist kann man keins ablesen. Nachdem ich dies erkannte drehte ich mich zu meinem Auto und schaltete erstmal die Alarmanlage ab.

Ich hätte fast geheult. Alle vier Reifen waren platt und auf der Motorhaube war mit roter Lackfarbe der Schriftzug "FÜR KEVIN" gesprüht. Die Windschutzscheibe zierte ein großes Loch. Ich trat näher und sah einen Plasterstein auf dem Sitz liegen. Frustriert trat ich gegen die Stoßstange und brüllte immer wieder "Scheiße".

Das war eine Situation in der mich niemand stören sollte denn das hatte manchen schon ein gebrochenen Kiefer beschert. Nachdem ich mich abreagiert hatte machte ich mich auf den Weg zur U-Bahn. Ich wollte jetzt nur noch nach Hause und das so schnell wie möglich. Natürlich hatte diese beschissene U-Bahn auch noch Verspätung was wieder mal bedeutete das ich auf die S-Bahn auch noch warten muss. Ich nahm die Liste nochmal in die Hand. Jetzt hatte ich noch mehr Streß als vorher und machte mir meine Gedanken das ich langsam zu alt für den Scheiß werde. Dann durfte ich endlich in Richtung Neukölln fahren. Ich brauchte fast 45 Minuten bevor ich meine Wohnungstür erreichte.

Kaum noch fähig die Füße zu heben ging ich rein und hängte den Pistolehalfter an den Kleiderhaken. Im Schneckentempo brachte ich es irgendwie fertig mich noch ins Bad zu begeben um mich nochmal anzuschauen ob ich so schrecklich aussah wie ich mich fühlte. Das war auch der Fall und ich staunte das der Spiegel hängen blieb.

Nach Inspizierung meines Zustandes zog ich meine Klamotten aus und schleppte mich ins Schlafzimmer. Mit dem Gedanken das man diesen Tag besser aus dem Kalender streichen sollte fiel ich ins Bett. Oder man macht nen Feiertag draus der dann "Tag der Scheiße" genannt wird, dachte ich noch und schlief dann gegen sechs Uhr ein.

Ich konnte noch nichtmal eine Stunde schlafen als ich unsanft durch ein Hämmern an der Tür geweckt wurde. Eigentlich wollte ich es ignorieren aber es war nicht möglich da es immer stärker wurde.

Bevor noch jemand die Tür demolierte nahm ich meine Kräfte zusammen und stand auf. Bekleidet in Unterhosen schlich ich zur Tür und schaute durch den Spion. Ich sah zuerst ein Auge davor das sich dann entfernte und sich zu einem Türken entpuppte. Er sah sehr verärgert aus und trat wieder gegen die Tür. Ich zuckte zurück und traute mich dann wieder zurück an den Spion.

Ich sah links neben ihm noch einen Schatten auf der Treppe stehen. Er war also nicht allein. Ich kannte den Typen nicht und war mir eigentlich ganz sicher das ich ihm nichts getan habe. Aber genau sagen kann man das ja nie.

"Mach auf du Sau. " schrie er und trat nochmals gegen die Tür.

Ich hatte langsam die Schnauze voll und nahm die Pistole aus dem Halfter. Leise lud ich sie durch und entsicherte sie. Nachdem ich das getan hatte schloß sich die Tür auf und ließ dabei die Kette davor um ihm nicht gleich alles anzubieten.

"Was willst du ? " fragte ich durch den Spalt der jetzt offen war.

"Alter mach die Tür auf. Du hast meine Schwester gefickt. " brüllte er.

"Kann schon sein. Und ? "

"Und ? Da fragst du noch und ? Los. Tür auf. Jetzt werd ich dich ficken!"

Ich mußte mir das Lachen über seine wilden Gesticken verkneifen. Irgendwie war ich mutig und machte die Tür auf und streckte ihm die Waffe entgegen. Er starrte mich mit großen Augen an.

"Das will ich zu gerne sehen das du mich zu deinem Flittchen machst. Ist wohl eher umgekehrt."

Langsam war er sich unsicher. Er bewegte sich etwas zurück und wußte nicht so richtig was er tun sollte. Er versuchte es nochmal mit Worten.

"Alter ich mach dich fertig. Ich fick dich und deine Mutter. "

Ich lächelte einmal kurz.

"Jetzt langt es. Ich hatte ne beschissene Nacht und nach einer Stunde kommst du Vollidiot und weckst mich. Wenn du hier einen Fuß reinsetzt dann leg ich dich um und deine Pussy auf der Treppe da unten nehm ich auch noch mit. Also was jetzt ? "

Auf der Treppe regte es sich kurz und mein Gegenüber hob die Hand und sagte etwas auf türkisch. Es kam eine Antwort von dem anderen Typen und ein Klatschen gegen die Wand. Mann war ich beeindruckt. Dann sah er mich wieder an mit einem drohenden Blick der mich wohl töten sollte.

"Wir sehen uns wieder."

"Freu mich schon. Aber nicht vor 16 Uhr. Und jetzt verpiss dich."

Mit diesen Worten knallte ich ihm die Tür vor die Nase. Ich sicherte die Waffe und ging zurück zu meinem Bett. Mit Mühe schrieb ich meinem Mechaniker wo mein Auto steht und das er sich darum so schnell wie möglich kümmern soll. Dann schlief ich nachdem ich mich über die Frechheit dieses Türken aufgeregt hatte wieder ein.

Woher sollte ich denn bitte wissen wann ich wen gevögelt habe. Meine Träume waren ungefähr genauso beschissen wie die Nacht zu vor. Ich träumte von Kev und Jimbo und besuchte sie am Ende des Traumes an ihrem Grab. In der Mitte war ein offenes Grab und ich stand davor. Der Grabstein trug meinen Namen und hinter mir sagte eine Stimme

"DU WARST ZU GUT".

In dem Moment als ich mich im Traum umdrehte knallte es laut und ich wachte auf. Ich lag schwitzend auf dem Fußboden. Wie geplättet stand ich auf und riskierte einen Blick auf den Wecker.

Es war mittlerweile schon 15 Uhr geworden und ich hatte noch eine ganze Menge Arbeit vor mir da ich ja kein Auto aber mehr Leute zu beliefern hatte. Ich humpelte ins Bad um mir wiedermal den gefühlten Zustand zu bestätigen.

Oh ja mein Spiegel mußte in diesen Tagen leiden. Mit etwas kaltem Wasser versuchte ich noch was an meinem Aussehen zu verbessern, aber es half nicht wirklich. Selbst die anschließende Dusche brachte nur wenig Verbesserung an meinem Gesamtzustand. Das Wetter draußen war so wie meine Stimmung. Dunkle Wolken am Himmel und ich zog sicherheitshalber meine Jacke an.

Meine Wohnung verließ ich gegen halb vier und hatte eigentlich mit dem Türken gerechnet als ich in Richtung Bahnhof aufbrach. Leider kam mir weder jemand hinterher noch stellte sich jemand in meinen Weg. Nach und nach arbeitete ich mich in der Liste nach unten. Den Leuten die Jimbo einst belieferte sagte ich das ich die Vertretung bin. Kevin selbst wollte ich nicht sehen. Ich gab es einem Kumpel von ihm und er brachte es runter zu ihm. Ich konnte ihm nach gestern nicht unter die Augen treten.

26.9.09 00:50
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung